Full text: Volume (Bd. 21 (1871))

434 Bezirk des H.-A -G. zu Nürnberg. Art. 281, 347.
widriger Beschaffenheit derselben verweigernden Käufer auferlegt,
und, falls er dieses unterlassen, gilt auch auf seiner Seite die
Maare als genehmigt.
Es ist aber von dem Beklagten nirgends behauptet worden,
daß er von der Musterwidrigkeit der Maare und der Ablehnung
seiner Hastungsverbindlichkeit aus diesem Grunde dem Verkäufer
rechtzeitig Anzeige erstattet habe; sein dem vorwürfigen Ansprüche
aus dem Bürgschaftsvertrage entgegengesetzter Einwand, daß das
gelieferte Pech nicht mustermäßig ausgefallen sei, kann somit nicht
mehr beachtet werden. Die von dem Käufer angenommene Maare
ist auch seinerseits als genehmigt und wie der Kaufvertrag dem
Käufer, so der Bürgschaftsvertrag ihm gegenüber in dem hier
fraglichen Punkte als erfüllt anzusehen.
Ueberhaupt lassen sich die beiden bezüglichen Rechtsgeschäfte,
Kauf und Bürgschaft, nicht in der Meise auseinanderhalten und
als für sich selbstständig bestehende, von einander unabhängige
Rechtsgeschäfte auffassen, wie dies von Seite des Appellanten ge-
schehen ist.
Der Bürgschaftsvertrag ist ein Accessorium des Kaufvertrages;
der Bürge übernimmt, wie schon erwähnt, eine fremde Schuld,
hier die Schuld des Käufers. Eine nothwendige Folge hiervon
ist, daß die rechtlichen Wirkungen des Kaufvertrages auch für das
Bürgschastsverhältniß maßgebend sind, daß einzelne Handlungen
oder Unterlassungen des Käufers und Hauptschuldners auch der
Bürge für sich gelten lassen und anerkennen muß.
Aus dem Kaufverträge entspringt für den Käufer die in
Art. 347 a. a. O. vorgesehene Verpflichtung. Steht nun durch
eine bezügliche Unterlassung des Käufers dem Verkäufer die nach
Abs. 2 daselbst daraus abzuleitende Annahme zur Seite, so kann
sich der Bürge nicht darauf berufen, daß auch ihm gegenüber die
Lieferung einer Maare von gewisser Beschaffenheit versprochen wor-
den sei, und daß der Käufer eine vertragswidrige Maare ange-
nommen habe, er muß vielmehr die Thatsache der unbeanstandeten
Annahme Seitens des Käufers auch gegen sich gelten lassen. Zwar
mag der Bürge gleichfalls ein rechtliches Interesse daran gehabt
haben, daß nur eine Maare von gewisser Beschaffenheit geliefert
werde, und aus diesem Grunde in dem Bürgschaftsvertrage die

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