Full text: Volume (Bd. 21 (1871))

404 Bezirk des H.-A.-G. zu Nürnberg. Art. 271, Nr. 3.
rungen auf längere Dauer nach Unterlassung einer Uebereinkunft
auf alljährliche Regelung der Police die Assecuranz von einer
Fruchtgattung auf die durch den nothwendigen Fruchtwechsel
eintretenden Surrogate derselben soweit übergeht, als der be-
treffende Körnerertrag innerhalb der Gränzen desjenigen der ver-
sicherten anderen Getraideart und der Werthsbestimmung hiefür
sich bewegt. Es mag zwar dahin gestellt bleiben, ob die An-
wendung dieses Grundsatzes schon durch den Bestand einer all-
gemeinen Uebung, aus welche sich Klägerin berufen hat, ihre
Rechtfertigung zu finden vermöge, aber immerhin erscheint die-
selbe im Hinblicke darauf zulässig, daß es jedenfalls Absicht des
Versicherten war, den jeweiligen 'ganzen Aerndteertrag an Getraide
überhaupt bei der betreffenden Gesellschaft versichert zu sehen, und
daß diese, nachdem ihr einerseits der Gebrauch und bezw. die
Nothwendigkeit des Fruchtwechsels gleichfalls bekannt sein und
andererseits das Streben nach Vereinnahmung der Versicherungs-
prämie für ein gemäß höchster Wahrscheinlichkeit zeitweilig nicht
vorhandenes Gut fremd bleiben mußte, bei der Aufnahme von
drei Getraidearten in ihrer Police auch nur von der Absicht ge-
leitet sein konnte, nach Umständen an die Stelle einer derselben
die in der Police nicht ausdrücklich vorkommende Getraidegattung
treten zu lassen, so daß wohl nicht der Wortlaut des Vertrags,
aber der bei Beurtheilung von Handelsgeschäften vor Allem zu
erforschende Wille der Contrahenten der Aufstellung der Klägerin
zur Seite steht.

Art. 271, N. 3.
Erhebung einer Lebensversicherungssumme durch einen
Anderen als die Erben des Versicherten. Unterscheidung
des Vollzuges einer Versicherung „auf das Leben" oder
„zu Gunsten" eines Dritten. Der Prämienzahler hat
als solcher noch keinen Anspruch auf den Bezug der
Lebensversicherungssumme.
Der Handwerksmann M. hatte, wie es häufig vorkommt,
zur Deckung verschiedener Verbindlichkeiten an die Firma L. Brun-
ner sein Leben für 8000 fl. versichern lassen und die Police darüber
derselben ausgehändigt. Nach dem Tode des M. erhob einer der

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