Full text: Volume (Bd. 21 (1871))

Bezirk des H-A.-G. zu Nürnberg. Art. 57. 60. 61. 62. 335-
nach Hause kam und bei einem solchen täglichen Zusammentreffen
Erkundigungen und Mittheilungen über die Vorgänge in der Lehre
nicht ausbleiben konnten. Hat alsdann Kläger nichts destowenigev
bis Mitte Februar 1868 geschwiegen, so hat er durch sein
langes Stillschweigen zu erkennen gegeben, daß er sich bei
dem bis dahin eingehaltenen Verfahren des Principals beruhigen
wollte, und er kann nun, nachdem die Lehre fast unter seinen
Augen unbeanstandet zwei Jahre sieben Monate lang gedauert
hat, nicht hinterher geltend machen, daß dieselbe von vornherein
nichts taugte, der Principal deßhalb das ganze Lehrgeld heraus-
zuzahlen und überdies noch die vom Lehrling geleisteten, angeb-
lichen Hausknechts- und Ausgehers-Dienste zn honoriren habe.
Der Anspruch aus letztere Vergütung erscheint aber auch noch
deßhalb als rechtlich unhaltbar, weil eine Dienstvergütung nicht
versprochen gewesen ist, und Kläger seinen Sohn wohl selbst nicht
zu jenen Personen zählen wird wollen, welche sich mit Hausknechts-
arbeiten und dergleichen ihren Lebensunterhalt zu verdienen suchen.
Alle diese Gründe für die Klagsabweisung könnten begreiflich
durch das Versprechen einer besonders vollkommenen Ausbildung,
des Lehrlings nicht entkräftet werden. Uebrigens enthält auch dev
bezügliche § 6 des Lehrvertrags in dem Satze, daß Beklagter dem
Sohne des Klägers die Ausbildung als Kaufmann fo vollständig,
zu geben verspreche, als man sie von einem aus der Lehre kom-
menden Subjecte verlangen könne, nicht mehr als die Zusicherung,
den Lehrling zum Commis heranzubilden, was auch ohne jenes
Versprechen selbstverständliche Pflicht des Lehrherrn gewesen wäre.
Mit Recht hat ferner Erstrichter auch den Klagsanfpruch auf
Ersatz von 150 Fl. Kurkosten verworfen.
Die in der Berufung aufgestellte Ansicht, daß der Principal
für die Unfälle, welche dem Gehilfen in Ausübung seines Dienstes
zustoßen, zu haften habe, wenn nicht der Gehilfe an dem Unfälle
selbst Schuld trage, was der Principal zu beweisen hätte, ist
unrichtig. Vielmehr gilt auch im Dienstverhältniß der Grundsatz,
daß den zufälligen Schaden derjenige zu tragen habe, welcher vom
Zufall betroffen wird. Artikel 60 des H.-G.-B. macht von dieser
Regel blos insofern eine Ausnahme, als der Handlungsgehilfe,
welcher durch unverschuldetes Unglück an Leistung seines Dienstes

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