Full text: Volume (Bd. 21 (1871))

332 Bezirk des H.-A.-G. zu Nürnberg. Art. 57. 60. 61. 62.
demselben nicht mehr die gewöhnlichen Dienste eines Lehrlings
sollten verlangt werden können; allein wenn es auch richtig sein
mag, daß damit einerseits die Interessen des Lehrlings in das
Auge gefaßt wurden, so wurde doch hiedurch andererseits auch für
den Lehrherrn das Recht begründet, zu verlangen, daß der Lehrling
noch ein viertes Jahr verbleibe. Dieses ist aber nicht geschehen,
weßhalb Kläger auf Grund dieser Vertragsbrüchigkeit Entschädigung
beanspruchen kann, deren Höhe in dem vom Erstrichter festgesetzten
Betrag den gegebenen Verhältnissen in jeder Beziehung entspricht,
nachdem es dabei auch einflußlos ist, ob Kläger in der That
während der fraglichen Zeit einen andern Commis und um welches
Honorar aufnahm, oder ob er sich wieder mit einem Lehrling
behalf, oder ob er selbst durch gesteigerte eigene Arbeitsleistung
die Dienste des Ferdinand ersetzte.
Art. 57. 66. 61. 62.
Lehrvertrag: Art der Beschäftigung des Lehrlings als Auf-
hebungsgrund des Dienstvertrages und als Grundlage
für Entschädigungsansprüche wegen der von dem Lehrling
wirklich geleisteten Dienste geltend gemacht; Einfluß
vorgängiger Mahnung hiebei. Voraussetzungen der
Haftung des Prinzipals für die einem Lehrling bei
Ausübung seiner Dienstleistungen zugestoßenen Un-
glückssälle.
Mit den allgemeinen Behauptungen des Klägers, heißt es
in den Gründen eines appellationsgerichtlichen Erkenntnisses vom
18. Mai 1868, „seinem am IO. Juli 1865 in einem Alter von
vierzehn Jahren bei dem Beklagten auf drei Jahre als Handlungs-
lehrling eingetretenem Sohne sei bis Mitte Februar 1868 keine
andere Beschäftigung zugewiesen worden, als im ersten Jahre auf
die Post zu laufen oder andere Gänge zu besorgen, in der folgenden
Zeit Nichts wie Muster abzuschneiden und aufzuk'leben, Maaren
hin und her zu tragen und andere derartige Hausknechts- und
Ausgehers-Dienstleistungen zu besorgen," läßt sich das Recht aus
sofortige Auslösung des Lehrvertrags nicht begründen.
Denn ohne ein genaueres Bild über die Gesammtbeschäftigung
des Lehrlings ist nicht zu ermessen, ob der Principal seine Pflicht

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