Full text: Volume (Bd. 21 (1871))

330 Bezirk des H.-A.-G. zu Nürnberg. Art. 57.
zustehe, und hieraus gefolgert, daß dieser Lehrvertrag keineswegs
kraft einer ihr durch das Gesetz eingeräumten Befugniß abgeschlossen
worden sei.
Allein abgesehen davon, daß diese letztere Behauptung Ange-
sichts der §§ 332 u. f. a. a. O. unrichtig ist, indem daselbst
ausdrücklich vorgeschrieben ist, daß die Mutter hinsichtlich der
Wahl der Lebensart ihrer Kinder vernommen werden muß, und
daß nur unter besonderen hier nicht gegebenen Voraussetzungen
die älterliche Gewalt in dieser Richtung eingeschränkt ist, so handelt
es sich hier gar nicht um die Wahl der Lebensart ihres Sohnes,
indem in dieser Richtung überhaupt kein Streit besteht, nachdem
die Beklagte nirgends behauptet hat, daß ihr Sohn etwa aus
Unliebe zu der gewählten Berussart' zu dem Kläger nicht mehr
zurückkehren wolle.
Ebensowenig kann mit Grund eingewendet werden, daß der-
malen ein Vertrag in Mitte liege, wornach ein Dritter etwas
leisten solle, und daß ein derartiges Versprechen unverbindlich sei.
Wie nämlich schon nach gemeinem Rechte ein derartiger
Vertrag dann rechtsverbindlich wäre, wenn der Promittent für
die Leistung eines Dritten einsteht,
vergl. Holzschuhers Casuistik, Bd. III, S. 279,
so verpflichtet ein Vertrag über Handlungen Dritter auch nach
der Bestimmung des preuß. L.-R. in Th. I, Tit. 5, § 45 alsdann,
wenn der Versprechende es übernommen, für den Erfolg einzu-
stehen, welch letzteres nach den gegenwärtig obwaltenden Umständen
unzweifelhaft anzunehmen ist, und kann die Haftung der Be-
klagten um so minder einem Anstande unterliegen, als im gege-
benen Falle die Handlung einer dritten Person in Frage steht,
die zu dem Versprechenden in einem Abhängigkeitsverhältnisse sich
-- befindet und welcher die Ausführung der versprochenen Leistung
befohlen werden kann.
Es ist demnach die Beklagte aus jenem Lehrkontrakte aller-
dings selbst verpflichtet,
vergl. Seuffert's Archiv, Bd. XI, S. 365,
und muß dieselbe ebenso, wie sie sich zur Zahlung des Lehrgeldes
verbindlich machte, dafür einstehen, daß auch der Schlußsatz des
Lehrkontraktes über vollständige Diensterfüllung zum Vollzug komme.

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