Full text: Volume (Bd. 21 (1871))

lieber Stellvertretung mit besonderer Rücksicht auf das Handelsrecht. 285
Ist er weder Unterhändler noch Vertrauensperson, sondern
überbringt er den fertigen, unbedingten und speziellen Contracts-
willen seines Mandanten, so ist er bloßer Bote (z. B. der
Prokurator bei Abschließung der Ehe.)
Auf diese Art glaube ich die Stellvertretung am einfachsten
und natürlichsten erklärt, und die Consequenzen dieser Erklärung
werden darthun, daß sie nicht ganz unrichtig ist.
In allen vier Fällen, der Vertreter mag Bevollmächtigter,
Beauftragter, Vertrauensperson oder Bote sein, ist es der Wille
des Vertretenen, der den Vertrag begründet. In allen diesen
vier Fällen wird auch der Vertretene daher ausschließlich berech-
tigt und verpflichtet, und in allen vier Fällen kommt es da-
her, was die Giltigkeit des Vertrages anbelangt, auf die Wil-
lensfähigkeit und die Willensmängellosigkeit des Vertrete-
nen an, und zwar bei letzterer soweit, als die Willensmängel bei
Abgabe des (allgemeinen und bedingten) Willens an den Vertreter
nicht vorliegen. Weil aber, im Falle der Vertretene den Willen nur
als allgemeinen und bedingten erklärt, derselbe selten ein mangel-
hafter sein wird, so wird auch der durch Bevollmächtigte geschlos-
sene Vertrag nicht leicht wegen Willensmängeln nichtig oder an-
fechtbar sein. — Die Form der Willenserklärung hängt
auch von der Person des Vertretenen ab, weil eben sein Wille den
Vertrag begründet.
I) Im Falle eines Vollmachtsverhältnisses wo die Voll-
macht auf Abschluß von Rechtsgeschäften lautet, ist es bloß
der Contractswille der dem Vertretenen eigen ist, daher
treffen ihn auch nur die rechtlichen Wirkungen desselben: Be-
rechtigung und Verpflichtung; nicht auch Haftung für un-
erlaubte Handlungen des Vertreters. Weil aber - nur der
Wille des Vertretenen den Vertrag begründet, während das
Gutdünken', also die Ueberzeugung des Vertreters, bestim-
men soll ob der Vertrag (rechtlich) möglich ift1), so ist der
4) Die Vortheilhaftigkeit ober Nothwendigkeit des Vertrages ist für seine
Giltigkeit oder vielmehr Entstehung unentscheidend, der Vertrag wird existent,
sobald der Vertreter (stillschweigend) erklärt, daß der Vertrag dem Prin-
zipal nothwendig oder vortheilhaft ist. — Ist er es nicht, so hastet der Ver-
treter dem Vertretenen für seinen äolus und seine culpa (Jrrthum).

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