Full text: Volume (Bd. 21 (1871))

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Abhandlungen.

werden muß, sondern ist nur als Anerbieten zu einem zu schließenden
Vertrage anzusehen. Der Vertrag der dann in Folge der Aus-
lobung zu Stande kommt, entsteht nämlich zwischen bestimmten
Personen und durch den Willen zu einem bestimmten Geschäfte, da
nicht das unbestimmte Anerbieten bei der Auslobung den Vertrag
begründet, sondern die bestimmte Annahme des Auslobenden, die
gegenüber der bestimmten Person eine bestimmte ist. Wie z. B.
ein Kaufmann der beim Schaufenster Maaren mit Preisangaben
ausstellt, nicht durch dieses Angebot mit dem Käufer den Vertrag
schließt, sondern wenn dieser in den Laden tritt und dem Kauf-
manne den Antrag macht, ihm die im Schaufenster ausgestellte
Waare um den dort bestimmten Preis zu verkaufen, erst die
Annahme dieses Antrags des Käufers erklären muß, oder aber
verweigern kann, wie also in diesem Falle erst eine bestimmte An-
nahme des Auslobenden erfolgen muß, so muß dies auch in dem
Falle stattstnden, wenn Jemand für die Wiederbringung der ver-
lornen Sache eine bestimmte Belohnung verspricht: auch hier muß
der Auslobende dürfen: Den Antrag — die verlorne Sache, die
z. B. der Ueberbringer redlicherweise von dem Finder gekauft hat,
gegen Bezahlung der Belohnung zu übernehmen, — anzunehmen oder
aber auszuschlagen; wo er allenfalls nur die durch seine Auslobung
dem Ueberbringer verursachten Kosten, sofern sie den Werth der ge-
fundenen Sache überschreiten, als Schadenersatz wird leisten müssen.
Daß er dies darf, ist schon daraus ersichtlich, daß er seine Aus-
lobung widerrufen kann, und daß im Falle anderer Arten der
Auslobung, wo z. B. die Leistung von mehreren erfolgen kann,
der Auslobende weder zur Belohnung verbunden ist, wenn die
Leistung von Jemanden geschehen ist, der von der Auslobung nichts
wußte, noch aber den Antrag, den später Jemand in Folge der
Auslobung ihm macht, annehmen muß ft.

*) Wie mir scheint, kommt die Verschiedenheit der Ansichten über die
Auslobung daher, daß man die Auslobung als Antrag — (Pollicitation, be-
dingtes Versprechen) und den infolge der Auslobung gethanen Antrag als
Annahme ansieht, während ich glaube, daß die Auslobung nur die Jniziative,
ein unverbindliches Angebot, zu einem zu schließenden Vertrage ist, welcher
Vertrag aber erst dadurch entsteht, daß der dritte in Folge der Auslobung
einen Antrag stellt, und der Auslobende die Annahme dieses Antrages

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