Full text: Volume (Bd. 21 (1871))

Heber Stellvertretung mit besonderer Rücksicht auf das Handelsrecht. 263
will, kann nicht entscheidend sein, denn wenn z. B. A. erklärt, er
wollte gerne die Frauensperson B. ehelichen und C., der diese
Willenserklärung des A. hörte, der Frauensperson B. erklären
würde: ich nehme dich im Namen des A. zur Ehesrau, — sott
dadurch A. schon Ehemann der B. sein? Das wäre freilich ein-
sach. — Dieser einfachen Willenserklärung steht aber der Contracts-
wille des Vollmachtsvertrages — in Bezug auf den Ehevertrags-
willen vollkommen gleich: er ist auch nicht der EhevertragswiUe,
sondern ein in Bezug aus diesen, einfacher Wille, der nicht be-
wirken kann, daß der durch den Willen einer dritten Person be-
gründete Ehevertrag für mich bindend sei. Wenn also der Ver-
treter die Ehe schließt, so kann er nur Bote meines Willens sein,
weil nur dann der Ehevertrag zwischen mir und der bestimmten
Frauensperson zu Stande kommen kann. — Nehmen wir aber an,
es sei wirklich der Wille des Vertreters, der den Ehevertrag be-
gründet, und setzen wir den Fall, daß der Vertretene eine viertel
Stunde vor dem Momente des durch den Vertreter abzuschließen-
den Ehevertrages wahnsinnig würde oder seine Vollmacht wider-
rufe, so daß dies selbst im telegraphischen Wege dem Bevollmäch-
tigten nicht kundgegeben werden kann, wird die Ehe als giltig an-
gesehen werden können? Wenn aber der Wille des Vertreters es
wäre, der den Vertrag begründet, könnten doch gewiß diese Gründe
nicht den Ehevertrag ungiltig machen. Der Grund der Ungiltig-
keit dieser Ehe liegt aber darin, daß der Ehevertrag durch den
Willen des Vollmachtgebers zu Stande kommt, der im Momente
der Abschließung eben nicht da war. Oder soll vielleicht der
Geisteskranke die Ehe giltig eingegangen haben? und bestimmt
§ 76 a. b. G.-B., auf den sich Unger beruft, nicht, daß der Widerruf
die durch den Bevollmächtigten geschlossene Ehe ungiltig mache?
Als Consequenz seiner Ansicht behauptet Laband x), daß, wenn
der Bevollmächtigte sich in einem wesentlichen Irrthum befand,
aus einem solchen Vertrage keine Obligation entstehe. Nehmen
wir aber den Fall an, daß trotz des Jrrthums des Bevollmäch-
tigten der Vertrag dem Vollmachtgeber vortheilhaft und genehm
ist und er den Vertrag will, während der Dritte nachher erklärt,

*) S. 227.

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