Full text: Volume (Bd. 21 (1871))

256

Abhandlungen.

*

Willen begründetes ist. Wenn nun solch' eine Widerrechtlichkeit
giltig zum Inhalte eines Rechtsgeschäftes gemacht werden könnte,
so könnte auch der, der irgend ein anderes Verbrechen zum Gegen-
stände eines Vertrages macht, bei Eingehung desselben sich aus-
bedingen, daß nicht er, sondern der Dritte, dessen Willen beim Ver-
trage gar nicht thätig war, daraus haften, und dafür vor das
Strafgericht gestellt werden solle. Kann diese Absicht des Contra-
henten Erfolg haben?
Buchka führt zur Bestätigung seiner Ansicht, daß obige von
ihm gestellte Frage zu bejahen sei, vor Allem den Umstand an,
daß heutzutage der Vertrag giltig unmittelbar auf den Prinzipal
gestellt werden kann*). Dieser Umstand könnte aber nur als Be-
weis dafür dienen, daß der Prinzipal selbst Contrahent sei und
daß sein Wille den Vertrag begründe, nicht aber als Beleg für
die Ansicht Buchka's. Aber auch der weiter von Buchka zur Be-
gründung seiner Meinung angeführte, von ihm weitläufig erörterte
Umstand* 2), daß der Vertreter nicht, sondern ausschließlich nur der
Prinzipal verpflichtet werde, beweist nichts Anderes, als daß der
Wille des Prinzipals es ist, der den Vertrag begründet.
Wie aus diesen zwei Umständen — und nur diese führt Buchka
zur Bestätigung seiner Ansicht an — hervorgehen soll, daß das
Recht ein Unrecht dulde ist schwer zu begreifen.
Da nun Buchka selbst einsieht, daß der Beweis für seine An-
sicht völlig mißlungen ist, geht er weiter und fagt3): „Es steht
also im heutigen Rechte fest, daß die Verbindlichkeit zur Erfüllung
des von einem Mandatar im Namen des Mandanten seingegan-
genen Vertrages allein in der Person des letztem begründet wird,
indem der erstere (soll wohl heißen derselbe: d. i. der Mandant,
denn der Mandatar ist es ja nach Buchka's Ansicht), vermöge
rechtlicher Fiction als der Contrahent anzusehen ist."
Buchka sieht also ein, daß seine Belegstücke nur darthun,
daß der Mandant Contrahent sei — greift aber zu einer Aus-
flucht und sagt, daß er es nur vermöge rechtlicher Fiction sei —

<) S, 232.
-) S. 233 ff.
3) S. 236.

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