Full text: Volume (Bd. 21 (1871))

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Abhandlungen.

sofort auf den Vertretenen übergehe, und die actio directa ihres
Inhalts beraubt werde?) Es wird also bei dieser Ansicht zuge-
geben, daß der Vertretene nur durch das Mittel der Cession die
Forderung, die der Vertreter ursprünglich, wenn auch nur für den
kleinsten Moment, bei Abschließung des Rechtsgeschäftes für sich
erwirbt, erlangen könne. Es fragt sich aber nur, selbst angenommen,
doch nicht zugegeben, daß die actio directa des Vertreters ihres
Inhalts beraubt würde — wie denn damit erklärt werden kann,
daß das Recht, welches der Vertretene erwirbt, nicht jenes ist,
welches dem Vertreter ursprünglich zustand, sondern daß es un-
mittelbar und rein Recht des Vertretenen ist — ein Recht, welches
unmittelbar für und in dem Vertretenen begründet wird; daß ins-
besondere dem Vertretenen keine Einreden aus der Person des
Vertreters entgegenstehen? — Daß dies aber der Fall ist, beweist
ganz klar der erste und dritte Absatz des Artikels 52 des H.-G.-B.
„Durch das Rechtsgeschäft welches ein Procurist oder ein
Handlungsbevollmächtigter gemäß der Procura oder der
Vollmacht im Namen des Principals schließt, wird der
Letztere dem Dritten gegenüber berechtigt und verpflichtet.
Zwischen dem Procuristen oder Bevollmächtigten und
dem Dritten erzeugt das Geschäft weder Rechte, noch Ver-
bindlichkeiten.
Es zeigt dieser Artikel, wie schon Laband,^) und Schliemam?)
dies auf das Bestimmteste nachgewiesen Habens) daß insbesondere
nach dem H.-G.-B. der Vertretene nicht das vom Vertreter er-

•* *) Dies ist beiläufig der kurze gemeinsame Inhalt dieser verschiedenartig
wiedergegebenen Ansicht, vgl. z. B. Mühlenbruch, Cession, S. 111 u. 147;
Puchta, P., tztz 273 z. E., 275; Sintenis, prakt. Civilr., Bd. II, S. 357;
Vangerow, Bd. III, § 600, Anm. I, und mit ihm Mackeldey, § 361, Note *);
Arndts, § 246; Endemann, § 31, Note 1; vgl. auch die verschiedenen dies-
bezüglichen Ansichten der Theorie, Praxis und Gesetzgebung bei Buchka,
S. 177—187.
*) Bd. X, S. 188. Nur will Laband daraus die directe Stellvertretung
vom H.-G.-B. recipirt wissen, wiewol S. 78 der Com. Prot, klar beweist,
daß dies nicht geschehen ist, daß also insbesondere nicht angenommen wurde,
daß der Vertreter anstatt des Vertretenen will und handelt.
3) Krit. Bemerkungen, S. 13 ff.
*) Vgl. Anschütz-Völderndorff, S. 385, 8 52, Note 7. '

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