Full text: Volume (Bd. 21 (1871))

Ueber Stellvertretung mit besonderer Rücksicht auf das Handelsrecht. 241
schon bei Abschließung des Vertrages durch Nennung des Prin-
zipals die Einwilligung zur Cession enthalten war/) und andern-
theils aus Billigkeitsgründen/) dem dominus eine actio utilis
gegeben. Aber auch diese war auf einer stillschweigenden (nicht
singirten) Cession basirt. Wo immer noch actiones utiles gegeben
wurden, gründeten sich dieselben stets auf einer stillschweigenden
Cession: ohne diese, also direkt konnte im römischen Rechte niemals
ein Forderungsrecht durch einen Dritten erworben werden?)
Bei dem Erwerb von Rechten war demnach im römischen
Rechte eine direkte Stellvertretung nicht möglich und unbe-
kannt.
Was die Verpflichtung durch dritte Personen anbelangt,
so konnte schon im ältesten römischen Rechte Niemand einen Dritten
verpflichten/) selbst der Mus familias nicht den pater f. und der
servus nicht den dominus.5)
Was insbesondere die Begründung von Verbindlichkeiten aus
Verträgen betrifft, konnte der Mus f. den pater f. schon im
ältesten römischen Rechte deshalb nicht verpflichten, weil sein
Contractswille den Vertrag begründete, daher auch die rechtlichen
Wirkungen desselben nur ihn treffen konnten, nach dieser Seite hin
wurde nämlich der Mus f. ac si pater familias behandelt/) da
er nur auf Seite der Berechtigung, als erwerbende Hand des
Vaters angesehen wurde, Verpflichtungen aber für den pater f.
nicht eingehen konnte. Der servus konnte seinen Herrn nicht
verpflichten, weil nicht der Wille des dominus, sondern der na-
türliche Wille des servus die Obligation begründete, daher auch
nur er — und nur naturaliter verpflichtet wurde/)
Da aber der Mus familias in der ältesten Zeit ebenso wie
') Vgl. Puchta, P., §§ 273. 275.
4) L. 13. § 24. (19. 1.) So war also diese actio utilis ein Gegenstück
der utilis actio aä tzlsmpluin actionis institoria;, vgl. Buchka, S. 53.
3) Vgl. Buchka, S. 57.
§ 3. 21. J. (3.19.) L. 58. § 1. (45. 1.) L. 38. pr. L. 83. pr. (45.1.)
5) L. 8. § 4. (46. 4.) L. 133. (50. 17.) L. 3. C. (2. 3.)
6) Der Prätor gab in diesem Sinne eine actio üetitia gegen den ülius f.
L. 141. § 2 (45. 1.) L. 39. (44. 7.) L. 5. pr. (14.5.) L. 57. (51. 1.) L. 8.
§ 4. (46. 4.)
7) L. 14. (44. 7.)
Archiv für deutsches Handelsrecht. Bd. XXI.

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