Full text: Volume (Bd. 21 (1871))

230

Abhandlungen.

da diese nicht mit der Bevollmächtigung im Zusammenhänge steht *);
sodann ist die sog. nothwendige Stellvertretung?), soweit es nicht
der geschichtliche Zusammenhang fordert, auszuscheiden, wie auch
jene Fälle nicht hierher gehören, wo ohne Voraussetzung eines
Auftrags, ein dritter eine Klage erwirbt aus dem zu seinen Gun-
sten geschlossenen Verträgen3). Da endlich die sactische Stellver-
tretung, obwol durch die Bevollmächtigung begründet 0, für das
Recht ohne Interesse tft5), so bleibt nur die sog. juristische, freie,
directe — oder die eigentliche Stellvertretung zu behandeln übrig.
I.
Wir finden im heutigen Rechte den Grundsatz ausgesprochen
und anerkannt, daß in den Fällen, wo durch einen Bevollmäch-
tigten im Namen des Vollmachtgebers ein Rechtsgeschäft geschlossen
wird, nicht der Bevollmächtigte, sondern der Vollmachtgeber be-
rechtigt und verpflichtet wird, daß also die beim Rechtsgeschäfte
thätige Person, durch welche dasselbe begründet wird, nicht von
den rechtlichen Wirkungen des Rechtsgeschäftes getroffen wird, son-
dern jene Person, im Namen welcher das Rechtsgeschäft zum Ab-
schluß kommt.
Dieser heutzutage geltende, vom H.-G.-B. anerkannte Rechts-
satz enthält scheinbar eine Ausnahme von der Regel, daß jede recht-
liche Wirkung den Urheber derselben trifft. Ich sage scheinbar,
S. 320; Jhering, Bd. I, S. 312 u. Note 77, sowie Scheuerl ebenda, Bd. II,
S. 21—27 u. Laband, S. 195.
*) S. Thöl, § 25, Note 3. a; Laband, S. 195. 197. 208. 209.
2) Auch eine contradictio in adjecto, s. Brinz, S. 4; Scheuerl, S. 317;
Laband, S. 199; daher auch nicht in die Lehre von der Stellvertretung gehörig.
3) Diese Verträge sind angeführt z. B. bei Savigny O. II. S. 20ff.:
Puchta, Pand., § 276; Vangerow, Bd. III, §608; Anm. I, 2. Arndts. §246,
Note 3. — Die an den a. a. O. aufgezählten Fälle haben für das Han-
delsrecht zunächst kein Interesse, und gehören auch nicht in die Lehre von der
Stellvertretung, vgl. Laband, S. 194. — Die Möglichkeit der Begründung
von Obligationen für die Erben gehört unbedingt nicht in die Lehre vom Stell-
vertreter, vgl. Brinz, S. 20; Scheuerl, krit Uebersch., S. 338.
*) Vgl. Unger, Bd. II, § 90, Note 3 u. 40.
5) Scheuerl, S. 317: „Ein Rechtsbegriff ist die Stellvertretung nur, in-
sofern die Handlungen, worin die Stellvertretung stattfindet, juristische Hand-
lungen sind." Ebenso Unger, Bd. II, § 90, Note 18; vgl. auch Laband,
S. 188 ff.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer