Full text: Volume (Bd. 6 (1865))

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Abhandlungen.

findet, sondern das Publicum, oder eine sonstige ganz unbestimmte
Person en-Mehrheit dabei interessirt.
Ulpianus, fr. 13, § 1 D. commun. praed. (8. 4). 81
constat, in tuo agro lapicidinas esse, invito te, nec
privato, nec publico nomine quisquam lapidem
caedere potest, cui id faciendi jus non est, nisi talis
consuetudo in illis lapicidinis consistat,
ut si quis voluerit ex his caedere, non aliter hoc faciat,
nisi prius solitum solatium pro hoc domino praestat.
Ita tamen lapides caedere debet, postquam satisfaciat
domino, ut neque usus necessarii lapidis intercluda-
tur, neque commoditas rei, jure, domino adimatur.
Gleicher Art ist der in dem Erkenntnisse des Handels-Appellations-
Gerichts zu Nürnberg vom 18. Mai 1863 (Busch, Arch., Bd. I,
S. 577) erwähnte, in einer Mettalfabrik herrschende Usus, daß die
Kunden ihre Schuld zum Theil in altem Kupfer abtragen durften,
welches ihnen zu einem erhöhten Preise berechnet wurde.
Wenngleich ein solcher Usus in dem Steinbruche und der
Metallfabrik ganz allgemein dem Publicum und allen Kunden gegen-
über beobachtet ist, so kann er doch nicht als Gewohnheitsrecht, als
Rechtsquelle angesehen werden, weil in beiden Fällen nicht constirt,
daß die Handlungen aus dem Glauben hervorgegangen seien, daß
eine Nothwendigkeit dazu vermöge einer allgemeinen Rechts reget
bestehe (opinio obligationis, juris, vel necessitatis). Man ver-
gleiche auch das Erkenntniß des Stadtgerichts zu Berlin (Busch,
Archiv, Bd. I, S. 382).
Nach einer anderen Richtung hin nimmt das sogenannte auto-
nomische Recht eine Zwitterstellung zwischen objectivem und sub-
jectivem Rechte ein. Das autonomische Recht enthält Rechtsnormen,
die aber nicht vom Staate, sondern innerhalb eines engeren Kreises
aufgestellt werden. Es bildet sich nur für Corporationen, Gesell-
schaften, Gemeinden, Stände u. s. w., und heißt Statut, wenn es
auf ausdrücklicher Festsetzung, Obs ervanz, wenn es auf stillschweigen-
der Uebereinkunft beruht. Hier haben wir es also mit rein objectivem
Rechte zu thun. Der Ausdruck „Observanz" wird aber auch für
subjectives Recht, für eine rein thatsächliche Uebung innerhalb eines
größeren oder kleineren Kreises, für die Begründung rein subjectiver

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