Full text: Volume (Bd. 6 (1865))

Seerecht. 441
in Rede stehenden Contrahenten sie als Rechtsnorm kennen und be-
folgen mußten.
Kläger hat sonach das Ansinnen des Verklagten, die Ladung
nicht in Danzig, sondern in Stettin zu löschen, mit Recht abgelehnt,
und die auf Grund seiner Weigerung erfolgte Zurückhaltung der
Fracht erscheint eben so ungerechtfertigt als der darauf gestützte Re-
conventionsanspruch. Aber auch die eventuelle Festsetzung des Be-
trags des Schadens ist für den Wiederkläger und Appellanten
günstiger ausgefallen, als er rechtlich hätte erwarten dürfen, da die
Epistenz eines Schadens gar nicht dargethan ist. Sollte nämlich
auch in höherer Instanz die Verpflichtung des Klägers, die Ladung
nach Stettin zu bringen, festgestellt werden, und aus der Nichter-
füllung derselben dem Verklagten das Recht erwachsen sein, den Er-
satz der anderweitig aufgewandten Transportkosten nach Stettin zu
fordern, oder aber, falls er sich damit nicht befassen wollte, die Waare
in Danzig durch einen Mäkler für den dortigen Marktpreis zu ver-
kaufen, und den solchergestalt entgangenen Gewinn zu fordern, so
mußte doch das eine oder andere, wollte Verklagter darauf einen An-
spruch an den Kläger basiren, auch wirklich und zwar unverzüglich
geschehen; einen blos flngirten Schaden oder entgangenen Gewinn,
wie er hier gefordert wird, zu ersetzen, ist dagegen der Kläger auf
keinen Fall verpflichtet. Der Verklagte hat vielmehr, indem er die
Waare, um damit anderweitig zu speculiren, in Danzig behalten,
dieß aus seine alleinige Rechnung und Gefahr gethan.

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