Full text: Volume (Bd. 6 (1865))

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Abhandlungen.

den beiden alternativ bezeichneten Löschungshäfen auf den Kläger
übergegangen sei. Appellant sucht dem entgegen auszuführen, der
Kläger habe in Helsingör das Eintreffen der Ordre des Abladers ab-
warten und dieselbe befolgen müssen, wozu laut Zeugniß des Theod.
Lund im vorliegenden concreten Falle schon ein Aufenthalt von
24 Stunden genügt haben würde. Eine längere Säumniß des Ab-
laders würde nur den Anspruch des Schiffers auf Liegegelder be-
gründen, wogegen das Verfahren des Klägers einen bestehenden
Handelsgebrauch verletze. Das Vorsteheramt der Kaufmannschaft
in Stettin und mehrere namhaft gemachte dortige Rheder würden
nämlich bekunden:
daß, so oft im Handelsverkehr das Ziel der Seereise erst
durch Anfrage an einem bestimmten auf der Tour belegenen
Orte fixirt werden soll, doch stets die Bestimmung des
Zieles selbst bei dem Ablader verbleibe, und beim Nichtein-
treffen der Ordre das Bestimmungsrecht auf den Schiffer
selbst in dem Falle nicht übergehe, wenn im Voraus zwei
Bestimmungsorte für die Ladung bezeichnet sind.
Bezüglich der Wiederklage stellte Appellant nunmehr den auf die
Preisdifferenz gegründeten eventuellen Gegenanspruch voran, und
hielt nur für den Fall, daß diese Modification für unzulässig erachtet
werden sollte, den in erster Instanz formulirten Antrag ausrecht.
Appellat bezog sich im Wesentlichen auf seine Anführungen in
erster Instanz und rügte nur, daß der erkennende Richter die ihm
von Theod. Lund gemachte Mittheilung über die Ankündigung der
Blockade von Swinemünde für einflußlos erachtet habe, überdieß aber
von der thatsächlich nicht zutreffenden Voraussetzung ausgehe, daß
ihm nach seiner Abfahrt von Helsingör von dem Seetreffen am
17. März und dessen Erfolgen etwas bekannt geworden sei. Er be-
stritt endlich den vom Appellanten behaupteten Handelsgebrauch, und
stellte zur Entkräftung des Reconventions-Anspruchs unter Beweis,
daß schon anfangs April 1664 auch in Danzig der Preis der Heringe
erheblich gestiegen sei, weshalb er denn auch bestritt, daß dem Wieder-
kläger überhaupt ein Gewinn durch die Abnahme der Labung in
Danzig entgangen sei.
Das Appellationsgericht in Marienwerder hat hierauf am
5. Juli 1865 aus folgenden Gründen das erste Erkenntniß bestätigt:

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