Full text: Volume (Bd. 6 (1865))

Seerecht.

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schrift des Connossements gemachten Vermerk sich noch am 16. März
auf der Höhe von Helsingör befunden habe, vor dem Seetrefsen am
17. März daher nicht vor dem Hafen von Swinemünde habe ein-
treffen können, von welchem Tage ab er die thatsächlichen Voraus-
setzungen einer Blockade gar nicht behaupte; dagegen liege der Schwer-
punkt der Entscheidung darin, daß nach Inhalt des Connossements
auf den Kläger, sofern er bei Theod. Lund in Helsingör weitere Ordre
nicht empfing, welcher Fall nach dem Resultat der Beweisaufnahme
vorliege, das Wahlrecht zwischen den beiden alternativ bezeichneten
Löschungshäfen übergegangen sei, mindestens lasse sich von Seiten
des säumigen Abladers, der den Kläger in diese mißliche Situation
gebracht habe, und seines Rechtsnachfolgers der Vorwurf einer Con-
tractsverletzung nicht darauf gründen, daß Kläger eine dem Connosse-
ment oder den sonst erkennbaren Intentionen des Abladers zuwider-
laufende Entscheidung getroffen habe. Kläger habe somit erfüllt,
könne die bedungene Fracht fordern, und sei für den dem Empfänger
aus seinem Verhalten etwa entstandenen Schaden oder entgangenen
Gewinn nicht verantwortlich. Sollte aber in den höheren Instanzen
die Verbindlichkeit des Wiederbeklagten zur Leistung des Interesse
ausgesprochen werden, so sei doch der in erster Linie geforderte Betrag,
welcher auf der bloßen Fiction von Unkosten und Ausgaben, die in
der That nicht erwachsen sind, beruhe, zu verwerfen. Der eventuelle
Anspruch dagegen sei deshalb begründet, weil der Werth einer Han-
delswaare sich für den Empfänger zunächst nach dem Marktpreise
am Orte der Uebergabe bestimme. Nun habe die Preisdifferenz der
geladenen Heringe zwischen den Plätzen Stettin und Danzig nach
den stattgehabten Ermittelungen Ausgangs März 1864 die Summe
von 1937 Thlr. 26 Sgr. 3 Pfg., also mehr betragen, als Wieder-
kläger behauptet habe; derselbe habe indeß auf diese Differenz nur in
Höhe der in erster Linie geforderten 796 Thlr. 25 Sgr. Anspruch,
welche nach seiner Berechnung der Transport der Waare nach Stettin
gekostet haben würde, indem der Mehrbetrag einen nur durch eigene
Schuld des Wiederklägers entgangenen Gewinn darstelle.
Der Verklagte und Wiederkläger appellirte gegen diese Ent-
scheidung in ihrem ganzen Umfange und richtete seinen Angriff be-
sonders gegen die Ausführung der Entscheidungsgründe, durch welche
die Annahme gerechtfertigt werden soll, daß das Wahlrecht zwischen

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