Full text: Volume (Bd. 6 (1865))

Seerecht.

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und welches zur entscheidenden Zeit der Marktpreis der Heringe in
Stettin und Danzig gewesen, bewegte sich der Streit der Parteien
hauptsächlich um die in der Ueberschrift ausgestellten Rechtsfragen,
zunächst also darum, wie Kläger sich zu verhalten gehabt habe, nach-
dem er in Helsingör keine Ordre des Abladens vorfand. Während
der Verklagte der Ansicht war, Kläger habe dort die Ordre einfach
abwarten, mindestens aber nach Stettin als dem im Connossement
zuerst genannten Löschungshafen segeln müssen, legte Kläger die Be-
stimmung des Connossements dahin aus, daß beim Ausbleiben der
Ordre das Wahlrecht unter den alternativ genannten Löschungs-
plätzen auf ihn übergegangen sei, um so mehr, als es keinem Zweifel
unterliegen könne, daß die gedachte Bestimmung nur mit Rücksicht
auf den damaligen Krieg zwischen Preußen und Dänemark getroffen
sei, und bezweckte, die Betheiligten vor allen Unannehmlichkeiten einer
Blockade, die damals für Stettin schon angezeigt war, zu schützen.
Die Zumuthung, daß er in Helsingör den Eingang der Ordre habe
abwarten müssen, sei um so unbegründeter, als inzwischen leicht auch
der Hafen von Danzig hätte gesperrt werden können, und die ge-
ladenen Heringe, wie Verklagter, um die Rothwendigkeit des Trans-
ports auf der Eisenbahn nach Stettin zu motiviren, selbst angebe,
dem Verderben ausgesetzt gewesen wären.
Anlangend die Blockade des Hafens von Swinemünde und
deren Einfluß auf die Verpflichtung des Klägers, so bestritt der Ver-
klagte überhaupt, daß dieselbe vom dänischen Ministerium proclamirt
sei, vielmehr habe erst am 28. März der dänische Admiral v. Docken
den Consuln in Swinemünde die Blockade der Bai von Stettin noti-
ficirt. Aber, wenn es auch mit der beigebrachten Bekanntmachung
seine Richtigkeit haben sollte, hätte sich Kläger doch zunächst selbst
davon überzeugen müssen, ob die Blockade nur auf dem Papiere stehe,
oder eine effective gewesen sei. Daß letzteres der Fall gewesen sei,
leugnete der Verklagte und zwar speciell für die Zeit, wo Kläger vor
dem Hafen von Swinemünde eingetroffen sein würde, indem er ein
Verzeichniß von 10 Schiffen ausstellte, welche gerade um diese Zeit
ungehindert in jenen Hafen eingelaufen seien, überdieß aber auf die
Publicanda des preußischen Ministerii der auswärtigen Angelegen-
heiten in Nr. 90.140.177 der Ostsee-Zeitung hinwies. Der Kläger
dagegen behauptete, die Blockade sei gerade in der entscheidenden Zeit
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