Full text: Volume (Bd. 6 (1865))

Schaden durch Zusammenstoß von Schiffen (abordage).

425

Capitän andrerseits widersprechende Befehle geben, ist die Mann-
schaft nicht nur für berechtigt, sondern sogar für verpflichtet zu er-
achten, sich lediglich an die Weisungen des Capitäns zu halten. Dem
Letzteren allein ist sie gesetzlich untergeordnet; es hätte einer ausdrück-
lichen Bestimmung bedurft, um sie ihrer Pflichten gegen den Capi-
tän da zu überheben, wo sie widersprechende Weisungen von Seiten
des Lootsen direct empfängt. Die Verantwortlichkeit für die Nicht-
ausführung der Befehle des Lootsen trifft in solchem Falle lediglich
den Capitän. Im Uebrigen anlangend das Verhältniß zwischen dem
Zwangs-Lootsen und dem Schiffer (Capitän), so findet dasselbe regel-
mäßig in particularrechtlichen oder localpolizeilichen Vorschriften
seine nähere Bestimmung und aus diese ist — in Ermangelung einer
allgemeinen gesetzlichen Norm und bestimmter Gebräuche — zunächst
zurückzugehen.*) Aber auch wo es an solchen speciellen Vorschriften
fehlt, läßt sich doch in Uebereinstimmung mit der Mehrzahl derselben,
wenigstens soviel auch im Allgemeinen schon aus der dem Schiffer

*) Von den preußis chen Hafen- und Schifffahrts-Polizei-Ordnungen
verpflichten die meisten den Schiffer ausdrücklich, dem Lootsen, sobald derselbe an
Bord gekommen, über den Tiefgang des Schiffes so wie über alle sonst auf den
Zustand des Schiffes und der Mannschaft bezüglichen Gegenstände gewissenhaft
Auskunft zu ertheilen und im Uebrigen den Anweisungen des Lootsen auf das
Genaueste Folge zu leisten, mit der Maßgabe jedoch, daß, wenn der Lootse bei
Führung des Schiffes einen dasselbe gefährdenden Fehler begeht und sich nicht
warnen läßt, dem Schiffer freisteht (in Uebereinstimmung mit einem zu versam-
melnden Schiffsrath? — H.-G -B., Art. 485), die Direction dem Lootsen abzu-
nehmen. Vgl. die Hasen- und Schifffahrts-Polizei-Ordnungen
für Stettin und Swinemünde vom 22. August 1833, §§3. 5. 21. 45
(G.-S., S. 88),
für Danzig vom 30. Januar 1821, §§ 3. 5.22. 35 (@.«@., S. 21),
für Königsberg vom 14. März 1822, tztz 3. 5 (G.-S., S. 96),
für Pillau vom 14. März 1822, § 4 (G.-S., S. 89),
für Colbergermünde, Stolpmünde und Rügenwaldermünde
vom 27. April 1842, §§ 4. 6. 20 (G.-S., S. 203),
für Stralsund vom 4. Mai 1842, §§ 2. 3. 4. 29 (Mahnke, Die See-
schifffahrt Preußens, S. 264),
für Elbing vom 9. Dec. 1852, tz 7 (idiä. S. 267).
Der Befugniß des Schiffers, die Direction dem Lootsen abzunehmen, geschieht keine
Erwähnung in der Hafen- und Lootsen-Ordnung f. d. Seehafen zu Memel vom
10, October 1808, §§ 6. 7 (N. C. C. Nro. 91 de 1809).

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer