Full text: Volume (Bd. 6 (1865))

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Abhandlungen.

gedeutet, wesentlich nur darin, die Abschaffung des älteren Rechts
außer Zweifel zu stellen. Ein Mehreres und zumal positive, den
allgemeinen Rechtsgrundsätzen widerstreitende Satzungen sind in ihm
nicht zu suchen. Ebensowenig werden durch die Bestimmung des
Art. 737 die Ansprüche der Ladungsinteressenten für den Fall einer
Beschädigung der Ladung berührt. Diese Frage ist vielmehr absicht-
lich offen gelassen,*) wennschon, im Hinblick auf die juristische
Consequenz des Art. 737, für die Beurtheilung von Ansprüchen der
Ladungsinteressenten kaum abweichende Normen Anwendung und
Platz finden können.
2) „ . .. Ist der Zusammenstoß durch beiderseitiges Verschulden
- herbeigeführt, so findet ein Anspruch auf Ersatz des dem einen oder
andern oder beiden Schiffen zugefügten Schadens nicht statt."
(Art. 737.)
Die Beurtheilung ist also ganz dieselbe, wie im ersten Falle.
Es bedarf indeß zum richtigen Verständniß dieser Bestimmung noch
folgender Unterscheidung: Wo im im Falle beiderseitigen Verschul-
dens das Verschulden jedes Theiles und insbesondere die Folgen
desselben genau zu trennen sind, wo jede der beiderseitigen Handlungen
für sich, eine von der andern unabhängig, besteht, ist es weder in
positiven Bestimmungen, noch in der Natur der rechtlichen Verhält-
nisse begründet, daß die aus den wechselseitigen Handlungen entstehen-
den Delictsklagen einander im Ganzen, dem Grunde nach sich aus-
heben; nur quoad summam concurrentem findet auch hier die
Compensatio» statt; darüber hinaus hat Jeder den durch sein Ver-
sehen herbeigeführten Schaden selbst zu tragen resp. zu ersetzen.**)
Erst in dem Falle, da ein Schaden nicht in dem Verschulden des
einen Theiles allein seinen Grund hat, vielmehr nur durch die Con-
currenz eines Verschuldens auch von der andern Seite entstanden ist,
wie bei wechselseitigen uno actu erfolgten Beschädigungen, findet

*) Protocolle, S. 2788.
**) So auch das preuß. allg. L.-R. im Allgemeinen im §22, Tit. 6, Thl. I
(„Haben zwei oder mehrere einander wechselseitig beschädigt, so haftet jeder dem
Andern für den verursachten Schaden nach Maßgabe der ihm zur Last fallenden
Verschuldung") und insbesondere in Beziehung auf abordage im § 1930, Tit. 8,
Thl. II („Sind beide Schiffer an dem einander zugefügten Schaden schuld, so
findet die Vorschrift Thl. I, Tit. 6, § 22 statt").

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