Full text: Volume (Bd. 6 (1865))

Schaden durch Zusammenstoß von Schiffen (abordage).

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mehr noch der constante Gebrauch, nach welchem überall die Bestim-
mungen über aboräage denen über havarie grosse und particulaire
unmittelbar angereiht zu werden Pflegen, geltend machen, und da
irgend bedenkliche Folgen aus einer solchen Verbindung Beider kaum
zu besorgen sind, so mag die systematische Anordnung, wie sie hier
beliebt ist, passiren. Für den Bau des Systemes eines Gesetzbuches
können und dürfen nicht immer ausschließlich die Regeln der Logik
und Doctrin maßgebend sein.
In der Sache selbst enthalten die ersten beiden Artikel, in denen
die leitenden Principien niedergelegt sind, Bestimmungen so überaus
einfachen und scheinbar selbstverständlichen Inhalts, daß ihre Auf-
nahme zum mindesten den des älteren Rechts Unkundigen überhaupt
befremden könnte. Denn daß einerseits im Falle einer Verschuldung
der Besatzung des einen Schiffes der Schuldige und neben ihm (ge-
mäß Art. 451. 452 H.-G.-B.) der Rheder für die Folgen haftet,
wie dieß der wesentliche Inhalt des Art. 736, und daß andrerseits,
wo keiner Person der beiderseitigen Schiffsbesatzungen ein Verschul-
den zur Last fällt, oder wo der Zusammenstoß durch beiderseitiges
Verschulden herbeigesührt ist,*) keinerlei Anspruch auf Schadensersatz
stattfindet, wie solches im Art. 737 bestimmt ist — das Alles ent-
spricht insbesondere den Grundsätzen des gemeinen Rechts von Be-
schädigungen überhaupt so vollkommen, daß diese bloßen Consequenzen
und Anwendungen des Princips kaum noch eines besondern Ausdrucks
zu bedürfen schienen. Und in der Thal möchte die Bedürfnißfra^e
schlechthin zu verneinen und eine Aufnahme von Bestimmungen, wie
sie nunmehr die Art. 736. 737 enthalten, entbehrlich gewesen sein,
wenn das gemeine Recht bei demjenigen, was über die vorliegende
Materie im römischen Recht bestimmt war, stehen geblieben wäre.
Denn das römische Recht**) behandelte alle vorkommenden Fälle
nach den allgemeinen Grundsätzen der lex Aquilia. Erst im Mittel-
alter ist man hiervon theilweise abgegangen. Man hat bald in
weiterem, bald in engerem Umfange Modificationen des allgemeinen
bürgerlichen Rechts zugelassen und angenommen, die in den meisten

*) Q,uod quis ex culpa sua damnum sentit, non intelligitur damnum. 1.203,
Dig. de R. J.
**) L. 29, §§ 2—5 de lege Aquil. (9.2).

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