Full text: Volume (Bd. 6 (1865))

Das Frachtgeschäft.

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Ob jene Geschäfte den Absender oder den Destinatär veranlassen, in
dem Frachtgeschäfte vertragsmäßig die Frachtkosten zu übernehmen,
kann dem Frachtführer unter Umständen gleichgültig sein, da er sogar
durch Verkauf des Frachtgutes seine Ansprüche sichern kann. Art. 407
des H.-G.-B. gestattet einen solchen öffentlichen Verkauf zur Deckung
der Fracht und der übrigen Forderungen des Frachtführers, wenn
der bezeichnet Empfänger des Gutes nicht auszumitteln ist, oder die
Annahme verweigert, und ferner wenn Streit über die Annahme oder
den Zustand des Gutes entsteht.n) Im Uebrigen kommt es verhält-
nißmäßig selten zu diesem Verkaufe, indem die Frachtgüter entweder
zurückgehen, oder einstweilen deponirt werden.^) In vielen Fällen
kommt schließlich eine Vereinbarung zwischen Frachtführer und
Destinatär zu Stande, nach welcher der Frachtlohn gegen den
Minderwerth der beschädigten Güter in Aufrechnung gebracht wird.")
4. Durch Annahme der Frachtgüter und Bezahlung der Fracht
erlischt jeder Anspruch gegen den Frachtführer. Nur eine Ausnahme
statuirt das Handelsgesetzbuch für den Fall, wenn Verlust und Be-
schädigung der Güter sich herausstellt, welche bei der Ablieferung
äußerlich nicht erkennbar waren. Jedoch muß die Feststellung des
Thatbestandes ohne Verzug nach der Entdeckung geschehen, und der
Beweis ist zu führen, daß der Schaden in der Zeit zwischen Empfang-
nahme und Ablieferung des Gutes entstanden sei ")
Daß dem Empfänger dieser Beweis zugemuthet wird, liegt ganz
in der Natur der Verhältnisse, und Münter bezeugt diese Anschau-
ungsweise längst vor dem Handelsgesetzbuch.") Weil der Frachtbrief
n) Neues Güterreglement, § 16.
12) Preisgeben darf der Frachtführer das Gut in keinem Falle; Seuffert,
Arch., Bd. 14, N. 230; er haftet vielmehr, wenn er das Gut nicht in einem öffent-
lichen Lagerhause oder sonst deponirt, selbst als Depositar. Vergl. Endemann,
Handelsrecht, § 155 a. E. und Wen gler, Beiträge zur Lehre vom Speditions-
geschäft, S. 79. %
13) Ueber die Zulässigkeit dieser Compensation vgl. Endemann, Handels-
recht, § 156 bei Note 19.
“) Art. 408, Abs. 2 und Art. 395 ; Protocolle, S. 830—832. — Die Eisen-
bahnen gestatten in dem gedachten Falle eine 4 wöchentliche Frist, von der Ab-
lieferung an laufend, zur Geltendmachung der desfallstgen Ansprüche; s. auch
H.-G.-B., Art. 428.
is) Frachtfahrer-R., Bd. 1, S. 102.

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