Full text: Volume (Bd. 6 (1865))

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Abhandlungen.

sentiren. Hat der Dritte durch Annahme der Güter und des Fracht-
briefes, oder auf sonst zulässige Weise seinen Beitritt und damit zu-
gleich seinen Willen erklärt, den Frachtlohn nach der Anweisung zu
zahlen, und zahlt er trotzdem nicht, so gilt eben der Satz: Anweisung
ist keine Zahlung, und der Frachtführer nimmt Regreß an seinen
Contrahentem^)
Freilich ist dieser Regreß nicht ein unbegrenzter. Er ist vielmehr
von der Handlungsweise des Frachtführers selbst abhängig gemacht,
und muß durch dessen Verschulden ausgeschlossen werden. Schwierig
erscheint es, das Verschulden des Frachtführers in Bezug auf die
Lohnbeiziehung vom Destinatär zu bestimmen, und es ist viel darüber
gestritten worden, wann die Fracht zu zahlen sei, ob nach Uebergabe
des Frachtbriefes und des Gutes, oder vor Uebergabe, aber nach
Musterung des Gutes u. s. w.^)
Das Handelsgesetzbuch 8 9 10) hat die Streitfrage dadurch unprak-
tisch gemacht, daß es auch nach Uebergabe' der Maare die Fracht-
forderung durch ein Pfandrecht schützt und außerdem den Empfänger
haftpflichtig macht; und es hat weiter jenes Verschulden des Fracht-
führers näher bestimmt, welches den Regreßanspruch aufhebt.
Art. 412 verordnet, daß ein Rückgriff auf die Vormänner, also
auch auf den Absender dann nicht mehr gestattet sein soll, wenn der
Frachtführer das noch zu besprechende Pfandrecht nicht binnen drei
Tagen nach Ablieferung des Gutes geltend gemacht hat.
In den meisten Fällen des Rückgriffs auf den Absender bleibt
es dann diesem unbenommen, aus den Rechtsverhältnissen zwischen
ihm und dem Destinatär, welche das Frachtgeschäft veranlaßten, sich
Ersatz zu suchen.
3. Den Einfluß der vorhergehenden Geschäfte auf die Verbind-
lichkeit, den Frachtlohn zu zahlen, hat das Frachtrecht nicht zu erörtern.

8) Höpfner, Arch. für civ. Prax., Bd. 36, VI. S. 127 hebt richtiger Weise
hervor, daß die locatio conductio an sich kein Recht begründe, den Dienstlcistenden
wegen seiner Lohnforderung an einen Dritten zu verweisen.
9) Der letzteren Ansicht sind die meisten Eisenbahnreglements, nach Vorgang
des Alten Güterreglements, § 11 und des Neuen § 14. — Ebenso Hillebrandt
im deutsch. Priv.-R., § 114, und Walter, Deutsch. Priv.-R., §279.
i°) Art. 409. 412.

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