Full text: Volume (Bd. 6 (1865))

Das Frachtgeschäft.

395

V.
Frachttohn und Annahme.
§ 14.
Zah lungs Pflicht.
1. Mit der Ablieferung der Frachtgüter tritt das vertrags-
mäßige Recht des Frachtführers in Kraft, die Bezahlung des Werk-
lohnes zu verlangen. Ebenso ist der Frachtlohn dann fällig, wenn
der Frachtführer den Ort der Ablieferung erreicht hat und die Ueber-
gabe der Güter allein aus dem Grunde nicht bewirken kann, weil
entweder der Destinatär nicht aufzufinden ist, oder weil dieser die
Annahme der Güter verweigert. Endlich ist ver Lohn dem Fuhr-
mann zu zahlen, wenn der Absender die Maaren vor der Ablieferung
contremandirt hat.
In allen diesen Fällen — die Ordnungsmäßigkeit der Lieferung
vorausgesetzt — hat der Frachtführer seinen Vertragsobliegenheiten
genügt und verlangt billig eine Gegenleistung seines Contrahentenst)
Darum sind Franco-Sendungen theoretisch betrachtet die Ausnahme,
und Münter sagt mit Recht: „Bevor der Frachtführer die Fuhr
nicht geleistet, kann ihm kein Forderungsrecht des Frachtlohns com-
petiren."2)
Daneben ist oft eine Unmöglichkeit vorhanden, schon bei Abgang
des Transportes die Frachtlöhne zu bestimmen, denn ein weitgehender
Transport wird durch viele Frachtführer, durch Mitwirkung zahl-
reicher Spediteure und unter so verschiedenen Einflüssen zoll- und
steueramtlicher Natur bewirkt, daß erst mit Erreichung der Abliefe-

1) Ob der Frachtführer nur ein Klagrccht auf den Frachtlohn habe, oder auch
auf Annahme der Güter durch den Destinatär, ist nicht unbestritten. Jedenfalls
könnte ein solches Klagrecht gegen den Destinatär nur dann behauptet werden,
wenn dieser durch seinen Beitritt zum Vertrag in ein Obligationsverhältniß zum
Frachtführer getreten ist. Allein selbst dann wäre die Statthaftigkeit der Klage
noch zweifelhaft, weil der Fuhrmann kein Interesse hat, den Empfang der Fracht-
güter bewirkt zu sehen, sondern nur das Interesse, seinen Frachtlohn bezahlt, bez
seine Auslagen ersetzt zu erhalten. Beides aber ist ihm auch ohne Annahme durch
den Destinatär hinlänglich gesichert. — Bgl. übrigens Brinckmann, Handels-
recht, § 114, IV.
2) Frachtfahrer-R., 223.

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