Full text: Volume (Bd. 6 (1865))

Das Frachtgeschäft.

375

dieses veranlaßt wurde; aber zugleich bestimmt er, in welcher Weise
das schuldige Postamt ermittelt und dem Postamt der Aufgabe gegen-
über ersatzpflichtig wird.9) Jedes Postamt kann sich von der Haftung
durch Nachweis seiner Sorgsamkeit als Frachtführer, und bei Ueber-
gang des Gutes in ein anderes Postgebiet durch Nachweis der er-
füllten Pflichten des Mandatars oder Spediteurs befreien, denn auch
die Post ist der Regel nach nur für ihre Transportstrecke Fracht-
führer. Dem Absender gegenüber erscheint freilich das Postamt der
Aufgabe als Transportunternehmer, soweit nicht staatsrechtliche Be-
ziehungen die privatrechtlichen Normen kreuzen: Jegliche Haftung
der Post ist ausgeschlossen, wenn der Transport die Gränzen des
Postvereinsgebiets überschreitet.10) Die Postanstalten, „von welchen
die Sendungen unmittelbar dem Auslande zugeführt worden sind,
sollen den Aufgeber vertreten" und bei seiner Klagerhebung gegen die
betreffende ausländische Postanstalt durch Urkunden und dergl. unter-
stützen, aber von einer eigenen Haftung ist nicht die Rede.
Ebenso verwahren sich dagegen die particulären Poftgesetze und
Ordnungen.")
§10.
Haftpflicht des Frachtführers für Zufall.
1. Eine Haftung des Frachtführers für Zufall wurde in der
Verbindlichkeit desselben gefunden, für das Verschulden seiner Leute
und derer einzustehen, mit deren Hülfe die von ihm übernommene
Arbeit vollendet wird. Eine Haftpflicht für Zufälle anderer Art dem
Frachtführer aufzubürden, verbietet die locatio conductio operis
selbst. Diese verlangt die höchste Diligenz, und so wird der Fracht-
führer durch den Beweis dieses Grades der Sorgsamkeit sich befreien
können, bez. durch den Nachweis, daß er der im speciellen Falle ver-
einbarten Stufe der Diligenz gerecht geworden sei.
Soll der Frachtführer dennoch für Ereignisse haften, die ent-
weder gar nicht abzuwenden waren, oder wenigstens nicht durch die

9) P.-V.-B., Art. 25 u. 75. Hierzu v. Linde. Zeitschr. für Civilrecht und
Proc., Bd. 16. S. 324 flg.
10) Vergl. Art. 8 des Nachtrags zum P.-V.-V. vom 3. Sept. 1855.
“) Vergl. u. A. das preuß. Postges. v. 2. Juni 1852, § 10 unter e; die
Braunschw. Post-Verordnung v. 13. August 1832, § 26, sowie über einzelne
Part. Gesetze überhaupt, Müller, „über die de recepto actio etc., S. 110flg.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer