Full text: Volume (Bd. 6 (1865))

Das Frachtgeschäft.

371

§ 9.
Aufeinanderfolge mehrerer Frachtführer.
Der Frage nach der Haftung des Frachtführers für seine Leute
ist unmittelbar zunächst liegend die Frage, wie sich die Haftpflicht
desselben stellt, wenn er entweder das Gut von einem früheren
Frachtführer übernahm oder an einen nachfolgenden zum Weiter-
transport übergab.
1. Eine Aufeinanderfolge von Frachtführern tritt begreiflicher-
weise überall da ein, wo die Transportstrecke des contrahirenden
Fuhrmanns den Bestimmungsort der Waaren nicht erreicht, und in
solch einem Falle übergibt dann der Frachtführer nach Zurücklegung
seiner Transportroute die Güter einem Spediteur, oder einer sonstigen
Mittelsperson, welche den Transport weiter an einen Frachtführer
verdingt. Dieß wiederholt sich so lange, bis die Tour des letzten Fuhr-
manns in den Ort der Güterbestimmung ausmündet, und eine Modi-
fication tritt häufig nur dadurch ein, daß, ohne Dazwischengreifen
eines Spediteurs, der frühere Frachtführer unmittelbar an den nach-
folgenden die Güter ausantwortet.
In diesen und ähnlichen Fällen werden zwei Momente für die
Rechtsverhältnisse unter den befördernden Fuhrleuten von Bedeutung:
erstlich, ob derselbe Frachtbrief von Frachtführer zu
Frachtführer übergeht, und sodann, ob der Frachtführer den
ganzen Transport bis zur Endstation übernommen hat, obwohl
seine eigenen Transportmittel zur Herstellung der übernommenen
Arbeit nicht ausreichen. *)
Hiernach ergeben sich folgende Fälle:
Uebernehmen die nachfolgenden Frachtführer den Frachtbrief

der Befugnisse ihrer Beamteten. Hat z. B. ein zur Güterannahme nicht autori-
sirter Bahnbeamteter das Frachtgut angenommen, so haftet die Verwaltung in
Berlustfällen nicht.
i) Die ältere Jurisprudenz berücksichtigt die Möglichkeit nicht, daß mehrere
Frachtführer Ausführende einer'und derselben Transportobligation sein können.
Der vorhergehende Frachtführer oder Spediteur ist aller Haftpflicht enthoben, wenn
der nachfolgende die Waare als richtig angenommen hat, und man gestattet nur
eine aetio in factum praetoria auf Entschädigung „bei vorsätzlicher Nachlässigkeit
oder Unvorsichtigkeit." Vgl. v. Bülow u. Hagemann, Praktische Erörte-
rungen, Bd. 4, S. 442 flg.

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