Full text: Volume (Bd. 6 (1865))

370

Abhandlungen.

schäftes als eines Werkverdingungsvertrages vollständig. Ohne sich
um die einzelnen Dienstleistungen zu kümmern, die in ihrem Zu-
sammenwirken das Resultat der locatio conductio operis Herstellen,
interessirt den Transportaten nur das letztere. Dem Frachtführer
dagegen ist ganz freie Hand gegeben, wie er das Geschäft zu Ende
führen will. Kann er selbst nicht alles Nöthige besorgen, so steht es
ihm frei, Gehülfen beizuziehen. Hat er diese ohne die nöthige Sorg-
falt gewählt, so trägt er in Schadensfällen die Folgen seiner Schuld,
hat er bei der Auswahl alle erforderliche Diligenz aufgewendet und
ist doch ein Schaden entstanden, so trägt er den Zufall, den jeder zu
übernehmen genöthigt ist, welcher gegen Lohn einen gewissen abge-
schlossenen Erfolg durch Arbeit herzustellen sich anheischig gemacht
und dabei fremder Hülfe sich bedient hat.3) Die Gehülfen sind von
dem conductor operis „suo periculo" zugezogen und ihre Schuld
trägt der Werkunternehmer „suo nomine.“4 * 6)
2. Demnach bestimmt auch das H.-G.-B. in Art. 400: „Der
Frachtführer haftet für seine Leute und für andere Personen, deren
er sich bei Ausführung des von ihm übernommenen Transportes be-
dient," und motivirt dieß in seinen Protoeollen S.816: „Der Fracht-
unternehmer habe die Pflicht, die Waare von einem Orte zum andern
zu schaffen; wie er dieß ausführe, das sei seine Sache, es sei demge-
mäß ganz gleich, ob er den Transport selbst, durch seine eigenen Leute
oder Anstalten, oder durch andere Unternehmer ausführen lasse."3)
Für Post- und Eisenbahnen, sowie für ähnliche Transport-
anstalten ist dasselbe maßgebend,3) und die Haftung der erstgenannten
Anstalten blos für culpa in eligendo ist mit haltbaren Gründen
nicht zu vertheidigen.7)

3) Puchta, Vorlesungen, Bd. 2, S. 146. — Cnyrim, Dies, cit., p. 34
4) L. 7 pr. D. nautae 4, 9; 1. 25, § 7 D. locati 19, 2.
0 Vergl. auch Münter, Frachtfahrer-Recht, Bd. 1, S. 49. 55, welcher
trotzdem das Frachtgeschäft, wie erwähnt, für ein loc. cond. operarum hält.
6) Vergl. Neues Güter-Reglement, § 18.
7) lieber Xiicfe Frage vergl. noch Goldschmidt, Zeitschr., Bd.4, S.580
und v. Hahn, das deutsche Handelsgesetzbuch und die Eisenbahnen, Jena 1860,
S. 6-8.
Statutarisch können selbstverständlich abweichende Bestimmungen getroffen
werden, und die Eisenbahnen sichern sich meistens durch eine genaue Begränzung

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer