Full text: Volume (Bd. 6 (1865))

366

Abhandlungen.

Diesen Mißstand einsehend bestimmt das H.-G.-B. Art. 405,
daß die Befugniß des Absenders, zurückzutreten, mit Anstellung der
Klage des Destinatärs gegen den Frachtführer ihre Endschaft erreicht.
Die Protocolle zum H.-G.-B. geben keinen Grund hierzu an,
wie sie überhaupt das Verhällniß zwischen den ursprünglichen Con-
trahenten und dem Destinatär nicht construiren. Die Protocolle
sprechen S. 821 aus, daß vor Uebergabe des Frachtbriefes von einem
eigenen Rechte des Empfängers mit Grund nicht gesprochen werden
könne; Art. 405 gibt gleichwohl auch ohne diese Uebergabe ein Klag-
recht in eigenem Namen, und die Protocolle wiederum berichten:
man habe die Frage, ob der Empfänger als präsumtiver Bevollmäch-
tigter des Absenders zu betrachten sei, eingehend besprochen.
IV.
Die gute und richtige Lieferung.
§7.
Haftpflicht der Eontrahenten im Allgemeinen.
Der Darstellung der einzelnen durch den Frachtvertrag zur Ent-
stehung kommenden Verbindlichkeiten wird die Frage nach dem Grade
der überhaupt aufzuwendenden Sorgsamkeit vorausgehen müssen, und
diese beantwortet sich leicht aus allgemeinen Gesichtspunkten.
1. Da das Frachtgeschäft ein zweiseitiges lucratives Geschäft
ist, so haben die Contrahenten zunächst für dolus und culpa im All-
gemeinen einzustehen. Zum Ueberfluß sagen die Quellen ausdrück-
lich : „seck ubi utriusque utilitas vertitur, ut in locato, et dolus
et culpa praestatur,“ ferner: „custodia talis desideratur, qualem

des Destinatärs als ein rein formales zu bezeichnen, welches nicht einmal durch
einen Rechtsact, sondern lediglich durch das Factum der Ankunft in Kraft trete.
Die räumliche Ausdehnung der Transporte insbesondere lasse die subjectiven
Beziehungen nach gewöhnlichem Obligationsnepus zurücktreten, und Frachtbrief
sowie Frachtgut seien die Vehikel der Rechte und Verbindlichkeiten geworden.
Dieß finde in dem Willen der Betheiligten seine Rechtfertigung und in dem
Charakter der Ordre- und Jnhaberpapiere seine volle Analogie.
Die nähere Begründung dieser ebenso neuen wie geistreichen AuffassungS-
weife fiehe Handelsrecht, § 157.

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