Full text: Volume (Bd. 6 (1865))

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Das Frachtgeschäft.
wegs aus, daß der Preis niedrig gestellt werde10), und unrichtig ist
es schon deshalb, wenn man behauptet, der Posttransportvertrag sei
keine locatio conductio, weil das Porto (pretium) in gar keinem
Verhältnisse zu der in Anspruch genommenen Dienstleistung stehe.")
Die dritte Eigenschaft eines wirklichen Preises, die Billigkeit
desselben, pretium justum, ist nicht zu erfordern. Justum soll ein
Preis dann sein, wenn eine 1ac8io enormis nicht vorliegt; die iaesio
enormis aber, deren analoge Anwendung von jeher höchst controvers
war, ist durch das Handelsgesetzbuch ihrer civilistischen Wirkungen ent-
kleidet worden.^)
Daß der Preis in baarem Gelbe zu entrichten sei13), ist selbst-
verständlich völlig antiquirt, wie denn überhaupt das Erforderniß
des baaren Geldes insofern auf einem Jrrthum beruht, als „pecunia
numerata“ gar nicht baares Geld bezeichnet, sondern Geld als
Tauschmittel überhaupt- Baarzahlung wird immer durch „praesens
pecunia" ausgedrückt.") Sollte wohl im Ganzen eine innere Noth-
wendigkeit dafür vorhanden sein, daß der Preis in Geld bestehe? —
Das Geld ist nicht mehr das Geld der Kanonisten, welches den übrigen
Gütern schroff gegenüber steht, und man wird die Frage entschieden
verneinen müssen, wenn man den Werthbegriff als den allgemeinen
Ausgleicher im Verkehrsleben anerkennt J3)

w) D.22, §3; 1. 23 v. loc. cond. 19, 2. — Glück, Commentar, Bd. 17,
S. 341.
n) Karstens, Archiv für civil. Prax., Bd. 37. S. 208. 209 und dagegen
Müller, Ueber die de recepto actio etc., S. 76; welcher sehr treffend auf die all-
gemeinen Klagen über zu hohes Porto, auf die Abhülfe der desfallsigen Beschwer-
den, und auf den notorischen Ueberschuß bei Abschluß der Postrechnungen hinweist.
i*) Art. 286. Ueber die analoge Anwendung der Iaesio enormis, vgl. Arndts
Pand., 8 307 und die das. citirten Stellen.
Ueber die Unsicherheit des kanonischen Begriffs von pretium justum siehe die
Nachweise in Endemann's Abhandlung: „Der Credit als Gegenstand der
Rechtsgeschäfte;" bei Goldschmidt, Zeitschr., Bd. 4, S. 76.
iS) Münter, Frachtfahrer-R., Bd. 1, S. 74.76.
“) Falsch z. B. Glück a. a. £>., § 1049, S. 327. Vgl. 1.222 D. de V. 8.,
und 1. 15, § 7 D. de re jud. 42, 1: „oportet enim ... res distractas praesenti
pecunia distrahi, non sic, ut post tempus pecunia solvatur.“ Bergt, auch für die
hier bekämpfte Ansicht Puchta, Pand., § 360. 365.
i») So wäre es an sich wohl zulässig, dem Frachtführer einen Theil des
Frachtgutes als Frachtlohn zu überlassen. Bergl. übrigens hierzu Endemann,

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