Full text: Volume (Bd. 6 (1865))

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Abhandlungen.

zwei Verpflichtungen dar: Güter sollen innerhalb einer bestimmten
Zeit an einen bestimmten Ort geschafft werden, und dafür ist als
Gegenleistung ein Arbeitslohn zu geben.
Dieses Herstellen eines bestimmten Erfolges durch
Arbeit, und zwar ohne Dazukommen einer Veräußerung, und auf
der anderen Seite das Lohnversprechen gibt die Elemente des
Dienstmiethvertrags, und dieser kann wiederum eine doppelte Gestal-
tung Habens. Geht der Vertragswille dahin, daß für den Lohn
Dienste und Arbeit geleistet werden, ohne daß dabei ein durch die
Thätigkeit des Arbeitenden hervorzubringendes Resultat als abge-
schlossenes und selbstständiges Ganzes unmittelbar in Betracht
kommt, so ist die locatio conductio operarum vorhanden; richtet
sich der Vertragswille, ohne aus die einzelnen Leistungen Rücksicht zu
nehmen, nur auf das endlich hervorzubringende Werk, so ist das Ge-
schäft eine locatio conductio operis, ein Werkverdingungsvertrag.
Der Waarentransport an sich leidet diese beiden Auffassungen,
denn man kann Dienste und Gespann eines Fuhrmannes miethen und
selbst durch eigene Leitung des Geschäftes das Endresultat herbei-
führen ^), und man kann einem Fuhrmanne den Transport zur selbstän-
digen Ausführung verdingen; aber das Frachtgeschäft im stren-
gen Wortsinne hat die ausgesprochene Natur des Werk-
verding ungs Vertrags^).
recht alle diejenigen Sachen, welche dem Frachtführer selbstständig zur Be-
förderung übergeben werden. Den direeten Gegensatz bildet das Reisegepäck, von
dessen Transportweise die gegenwärtige Abhandlung deßhalb absieht, weil es ein
Accessorium des Personentransportes ist, und dieser unter dem Begriff Fracht-
geschäft nicht mit enthalten ist. Vgl. u. A. Endemann, Handelsrecht, § 153,
Nr. 5.
2) Vgl. 1. 22. D. loc. cond. 19. 2,1. 5, § 1 de Y. 8. und Glück, Commen-
tar, Bd. 17, § 1044.
8) Vgl. Brinckmann, Lehrbuch des Handelsrechts, Heidelb. 1853, § 114,
Nr.3. (Der letzteTheil des Buches ist nach Brinckmanns Tode von W. End e-
mann vollendet worden und behandelt eingehend auch das Frachtgeschäft.)
Endemann, Handelsr., § 154, Note 2, scheidet die Miethe von Fuhr-
werken und Fuhrleuten, mit denen der Versender seinen Transport selbst aus-
führt, von dem Begriffe des Frachtgeschäftes gänzlich aus, und bemerkt § 155,
Note 23 ganz treffend, daß sich das Geschäft in demselben Maße der loe. cond.
operarum nähert, als sich der Frachtführer durch specielle Anweisungen des' Ab-
senders bindet.

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