Full text: Volume (Bd. 6 (1865))

336

Abhandlungen.

wenn man bedenkt, daß im Einklänge mit dem römischen Arbeits-
begriffe meist Sclaven die geringen Landtransporte ausführten, so
erscheint es begreiflich, daß die gegenseitigen Beziehungen eine selbst-
ständige rechtliche Normirung nicht fanden.
Dazu kommt, daß die geographische Beschaffenheit Italiens dem
Verkehr zu Lande nicht günstig war, und so handeln die wenigen
Quellenstellen über Transportausführungen vorzugsweise von See-
transporten.
Auch das Leben des deutschen Mittelalters war nicht geeignet,
ein Frachtgeschäft im heutigen Sinne zur Entstehung kommen zu
lassen. Zwar machten sich schon deshalb überaus zahlreiche Trans-
porte nöthig, weil der Kaufmann nur durch den Verkauf an weit ent-
fernten Marktplätzen .seine Waare gehörig verwerthen konnte,
aber wegen der Art und Weise des Waarenabsatzes, wegen des
Stapelrechtes') und Straßenzwanges* 2), endlich wegen der ungemeinen
Unsicherheit der Straßen begleiteten die Kaufleute entweder selbst
ihre Güter3 4), oder sie ließen den Transport durch zuverlässige Diener
ausführen^). In beiden Fällen ist die Versendung nicht Gegenstand
eines gerade hierauf gerichteten Geschäftes, und auch in dem Rechte
einzelner Städte, zu verlangen, daß die fremden Handelsleute sich
der Frachtwagen und Transportschiffe der betreffenden Stadt zur

*) Stapelrecht ist die Befugniß einer Stadt, die zeitweilige Ausstellung durch-
gehender Maaren zum Verkauf zu verlangen, vgl. Fischer, Gesch. des deutschen
Handels. Han. 1785, II, S- 297.
2) Sogenannte freie Straßen sind selten. Ueber die Nothwendigkeit, den
einmal vorgeschriebenen Weg einzuhalten, vgl. Klöden: über die Stellung des
Kaufmanns während des Mittelalters (Berlin 1841), St. 2, S. 8. Daselbst
Notizen über das Recht, umgefallene Wagen zu plündern.
3) Vgl. Endemann, Lehrb. des Handelsrechts, § 153, Note 3, welcher ins-
besondere auch betont, daß der Transport eigentlich als die wahre Arbeit des
Händlers galt, welche seinen Gewinn kanonisch rechtfertigte.
4) Zumeist vereinigten sich mehrere Kaufleute zur gemeinsamen Ausführung
der Reise, um so sicherer zu sein, und es entstanden die bekannten Reisegenossen-
schaften, Gilden, Verschwörungen genannt. Auch die Städtebündnisse und Land-
frieden suchten den Verkehr zu sichern, allein erst zu Ende des Mittelalters wurde
es allmälig wahr, was der Sachsenspiegel II, Art. 66 sagt: „alle Zeit sulln vride
habn ... des Künges straze in wazzere und in veilde und allez daz dar binnen
kümt.“ Bergl. auch Hirsch, Danzigs Handels - und Gewerbsgesch. unter der
Herrschaft des deutschen Ordens (1858), S. 123. 222 flg.

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