Full text: Volume (Bd. 6 (1865))

Substitutionsbefugniß des Commissionärs und Haftung rc. 329
Fälle nicht bestimmt genug abgrenzt. — Die verschiedenen Civilrechte,
welche in Deutschland gelten, stimmen darin überein, daß nur die
culpa in eligendo zu vertreten sei, insofern das Commissionsver-
hältniß auf ein Mandat zurückzuführen ist oder dieses wenigstens
zum Vorbilde hat. Als Cardinalstelle des gemeinen Rechts erscheint
in vorliegendem Betrachte kr. 21, § 3 D. (3, 5), welche, wenngleich
sie eine negotiorum gestio, sonach die unbeauftragte Uebernahme
der Besorgung fremder Geschäfte betrifft, den negotiorum geglor
als Mandanten eines dritten, für ihn direct Handelnden wegen des
Letzteren Nachlässigkeit nur hasten läßt, insofern er ihn „impru-
denter" wählte, woneben des Mandatars Substitutionsbe-
fugniß im Allgemeinen in kr. 8, § 3 D. mand. (17, 1) anerkannt
ist. Zu gleicher Bestimmung der Haftbarkeit führt kr. 11 commod.
D. (13,6), welches zu der Regel in kr. 10, § 1 eod. die Beschränkung
fügt, qui non tam idoneum hominem elegerit, ut recte id
perferri possit. Auch fr. 20 eod. bestimmt den Schaden als tuum,
non meum, wenn ein idoneus homo von mir zur Besorgung ge-
wählt wurde. — Das österr. b. G.-B. läßt in § 1010 den Gewalthaber
nur dann für den Erfolg haften, wenn er o h n e Noth einem Dritten
das Geschäft auftrug, wogegen er nur ein bei der A u s w a h l be-
gangnes Versehen verantwortet, wenn ihm die Bestellung eines Stell-
vertreters in der Vollmacht ausdrücklich gestattet oder nach den Um-
ständen unvermeidlich ist.*)
Nach preuß. a. L.-R. I., 13 § 37 soll derjenige, welcher einen
Auftrag angenommen hat, ihn in der Regel selbst ausrichten und nach
§ 38 eod. für die Handlungen und Versehen des Andern, wie für
seine eigenen haften, wenn er diesem das Geschäft ohne Einwilligung
des Machtgebers übertrug. Dagegen haftet er blos für ein bei der
*) Vgl. Züricher Pr. G.-B., § 1171 flg.: „Der Beauftragte soll selber
für die Vollziehung des Auftrags sorgen. Ueberträgt er dieselbe einem Stellver-
treter (Substituten), ohne von dem Auftraggeber zur Bezeichnung eines solchen
ermächtigt oder ohne durch die Natur der Umstände dazu genöthigt zu sein, so
haftet ec dem Auftraggeber auch für die Verschuldung des Substituten. Ist aber
die Ernennung eines Substituten von dem Auftraggeber erlaubt oder sonst durch
die Umstände gerechtfertigt, so haftet der Beauftragte selbst nur für Fahrlässigkeit
in der Auswahl des Substituten und für Abtretung seiner Klage gegen diesen.
Dasselbe gilt, wenn er fremde Hülsspersonen (Handwerker, Taglöhner) an-
stellen muß."

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer