Full text: Volume (Bd. 6 (1865))

Zur Lehre vom Commissionshandel.

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versteht, der Vortheil des Committenten stets maßgebend für ihn
werden muß. Die auf einem solchen unbestimmten Aufträge be-
ruhenden Obliegenheiten eines Commissionärs Pflegen gewöhnlich in
dem Satze ausgedrücktzu werden, daß der Commissionär „bestmöglichst"
zu verkaufen bez. einzukausen berechtigt ist."
Wenn in Art. 376 dem Commissionär gestattet ist, beim Ein-
und Verkauf von Waaren, Wechseln und Werthspapieren, welche einen
„Börsenpreis oder Marktpreis" haben, entweder die auf seinem eigenen
Lager befindlichen dafür abzugeben, oder für dieselben die committirten
Gegenstände für sich zu behalten, so wird, wie in der S chäferschen
Ausgabe des Handelsgesetzbuchs zu diesem Artikel erläuternd bemerkt
wird, unter „Börsen- und Marktpreis" nicht blos der amtliche zu
verstehen sein. In dritter Lesung wurde vielmehr ausdrücklich hervorge-
hoben, daß ein Marktpreis überall bestehe, wo ein so bedeutender
Handel mit einem Artikel getrieben werde, daß sich daraus ein Durch-
schnittspreis entnehmen lasse; die amtliche Feststellung könne nur den
Beweis liefern, nicht aber über die Existenz des Marktpreises ent-
scheiden. Es bedarf daher nicht unumgänglich der öffentlichen Preis-
notirungen, sondern „damit die Waare einen Marktpreis am Orte
habe,'muß eine erhebliche Anzahl von Geschäften an diesem Orte ge-
schlossen worden sein und ein Preis für denselben bestehen, welchen
man mit Sicherheit als von den besondern Verhältnissen der einzelnen
Contrahenten und von den sonstigen speciellen Umständen einzelner
weniger Geschäfte unabhängig betrachten kann." 557. Sitz-Prot.,
S. 457 flg. Vergl. auch Art. 353. Den Grundsatz, daß nur „eine
größere Zahl gleichartiger Fälle" den Nachweis eines Marktpreises
liefern, sprach auch das Ober-App.-Gericht zu Dresden in einem in
diesem Archive, 3. Bd., S. 402 mitgetheilten Falle aus. In der
51. Sitzung, Prot. S. 732 wurde noch besonders hervorgehoben, daß
es viele Waaren gebe, die Marktpreis hätten, ohne gerade immer auf
amtlichen Courszetteln notirt zu sein, wie z. B. Droguen, Bücher rc.
Daß übrigens nicht der Marktpreis am Orte des Commissionärs aus-
schließlich gemeint sei, sowie daß eine etwas freiere Auffassung und
namentlich die Rücksichtsnahme auf den in einem gewissen Umkreise
in der Umgebung des Commissionärs bestehenden Marktpreis rathsam,
die Berufung auf die Marktpreise eines weit entfernten Orts aber
nicht zulässig sei, wurde in der 194. Sitzung Prot. S. 1212 bestimmt.

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