Full text: Volume (Bd. 6 (1865))

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Abhandlungen.

gesellschaft immer zuerst gegen diese klagen müssen und erst dann
gegen die Gesellschafter klagen können, wenn sie keine volle Befrie-
digung aus der Gesellschaftscasse erhalten; mit anderen Worten, den
Gesellschaftern stünde die Einrede der Vorausklage zu.
Die Vorschrift des Art. 281 würde daher hier eine Ausnahme
erfahren. Abgesehen davon steht jedenfalls fest, daß ein Unter-
schied zwischen den Forderungen an die Gesellschaft und den Forde-
rungen an die Gesellschafter besteht. Jene sind zunächst aus dem
Gesellschaftsvermögen zu befriedigen und können nur wegen des Ausfalls
aus dem sonstigen Vermögen der Gesellschafter Befriedigung erlan-
gen, während die Forderungen an die Gesellschafter überhaupt nicht
aus dem Gesellschaftsvermögen, sondern nur aus dem sonstigen Ver-
mögen der schuldenden Gesellschafter befriedigt werden.
Diese Verschiedenheit muß einen Grund haben. Worin anders
soll der Grund liegen, als in der Verschiedenheit der schuldenden
Persönlichkeiten? Die Gesellschaft ist eine von den Gesellschaftern
verschiedene Persönlichkeit. Nur diese Annahme erklärt die Bestim-
mungen der Art. 119. 120 und 121. Wer irgend eine Summe an
die Gesellschaft schuldet, würde, wenn diese keine Persönlichkeit hätte,
den einzelnen Gesellschaftern schulden; eben deshalb könnte er mit
einer Forderung an einen einzelnen Geftllschaster für den Antheil
dieses Gesellschafters seine Schuld an die Gesellschaft compensiren.
Das soll aber nach Art. 121 nicht stattfinden. Hahn sucht diese
Vorschriften auf ein anderes Princip zurückzuführen. In § 26 der
der Vorbemerkungen zu dem dritten Abschnitt des ersten Titels des
zweiten Buchs (S. 273) stellt er das Princip auf:
„Die Bestimmungen des Gesellschaftsvertrages,
„daß über die im Gesellschaftsfond befindlichen Activen
„nur zu gesellschaftlichen Zwecken verfügt werden
„kann, ist auch Dritten gegenüber wirksam."
Es entsteht aber die Frage ob, dieses Princip richtig ist? Wenn
ein offener Gesellschafter, der zur Vertretung der Gesellschaft befugt
ist, in irgend einer Weise zu Gunsten dritter Personen über das Gesell-
schaftsvermögen verfügt, so würde nach diesem Princip die Rechtsbe-
ständigkeit der Verfügung von der Vorfrage abhängen, ob sie zu
gesellschaftlichen oder zu Privatzwecken geschah?
Offenbar wäre dadurch der Verkehr zwischen offenen Gesell-

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