Full text: Volume (Bd. 6 (1865))

Zur Auslegung des Art. 69, Nr. 6 des allg. d. H.-G.-B. 205
den Verhandlungen widersprechend. Ebenso muß ein Kaufmann dann
als abwesend gelten, wenn er sich auf einer Reise entfernt von dem
Orte des Etablissements oder sich überhaupt in einer Lage befindet,
welche sein Erscheinen an dem Orte des Etablissements während der
Geschäftssiunden verhindert, — welchen Fall v. Hahn a. a. O. für
zweifelhaft hält.
Die Bestimmung ist aber auch durchaus der Stellung der
Mäkler im Sinne des H.-H.-B. angemessen. Dieselben sind amtlich
bestellte und beeidigte Vermittler der eigentlichen Platzgeschäste, sie
erscheinen als unparteiische Zwischenpersonen zwischen den beiden Con-
trahenten, sie sind Notare für die Platzgeschäfte, deren Aufzeichnungen
im Tagebuche und deren Schlußnoten in der Regel vollen Beweis
für den Abschluß des Geschäftes und dessen Inhalt liefern. Ihrer
Stellung ist es daher durchaus nicht angemessen, wenn sie einen ein-
seitigen Auftrag annehmen dürften. Sie würden hier leicht versucht
werden, den Auftrag, wenn auch in untergeordneten Punkten, zu über-
schreiten, wenigstens eigenmächtig zu ergänzen, um nur das Geschäft
zu Stande zu bringen, welches ihnen Courtage einträgt. Ebenso
würde ihrer Beurkundung des Geschäftes ein unauslöschlicher Makel
der Einseitigkeit ankleben und bald dieselbe nur mit Mißtrauen
betrachtet werden können. Will man also die amtliche, öffentliche
Stellung der Handelsmäkler, wie sie in dem H.-G.-B. vorschwebt,
rein erhalten, so muß man nothwendig auch bei der betreffenden Be-
stimmung beharren. In der That sind auch die von dem Handels-
stande aufgestellten Befürchtungen und Schwierigkeiten gar nicht vor-
handen, weil wohl in der Regel jeder Kaufmann, der sein Etablisse-
ment auch nur auf Stunden verläßt, einen Vertreter haben wird, den
er ja brieflich beauftragen kann, den Abschluß des Geschäftes persön-
lich dem Mäkler zu erklären. Es bedarf hiebei durchaus keiner
hemmenden und belästigenden Formen, der briefliche Auftrag dient
als Vollmacht, und derselbe müßte nur dem anderen Contrahenten
ebenfalls vorgezeigt und von dem Mäkler bei seinem Tagebuche als
Anlage aufbewahrt werden. Der Kaufmann kann aber auch seinem
Stellvertreter eine General-Vollmacht ertheilen und diese dem
Handelsmäkler übergeben, um jeder Controlle des Auftrages für das
nachfolgende einzelne Geschäft überhoben zu sein. Da, wo den
Handelsmäklern nicht ein ausschließliches Recht zur Vermittlung der

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