Full text: Volume (Bd. 6 (1865))

Königreich Sachsen.

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künftige Schuld damit einverstanden erklärt hat, daß er zur Zahlung
gehalten sei, wenn der Hauptschuldner das Guthaben des Klägers
als richtig anerkennen werde. Dieses Einverständniß kann nicht
nur, wie in dem in der
Zeitschr. s. Rechtspfl. u. Berw., N. F., Bd. II, S. 278 ff.
referirten Rechtsfalle geschehen ist, ausdrücklich ausgesprochen, son-
dern auch stillschweigend zu erkennen gegeben werden. Ein solches
stillschweigendes Einverständniß des Beklagten, daß das vom Haupt-
schuldner erklärte Anerkenntniß der Forderung des Klägers ihm
gegenüber rechtliche Wirkung äußere, glaubt im vorliegenden Rechts-
falle das O.-A.-G. deshalb annehmen zu müssen, weil Beklagter bei
Uebernahme der Bürgschaft Inhalts der Bürgschaftsverschreibungen
sowohl davon, daß sein Bruder, der Hauptschuldner, mit dem Kläger
in laufender Rechnung stehe, Kenntniß gehabt, als auch sich für die-
jenige Summe, welche aus dieser Geschäftsverbindung, bei dereinstiger
Auflösung derselben, sein Bruder dem Kläger schulden werde, bis zur
Höhe von 3000 Thlr. verbürgt hat.
Der sogenannte Contocorrentvertrag besteht in der Vereinigung
zweier Kaufleute oder eines Kaufmanns, Bankiers u. s. w. mit
einem Nichtkaufmann, daß über ihre gegenseitige Geschäftsverbindung
eine fortlaufende Rechnung, in welcher diejenigen Posten, welche der
Buchsührer dem Geschäftsfreunde creditirt hat, letzterem zur Last
(in das Debet) gesetzt, diejenigen dagegen, welche der erstere dem
letzteren zu erstatten hat, gutgeschrieben (in das Credit gebracht)
werden, geführt, diese Rechnung von Periode zu Periode, und zwar
in der Regel in ein- oder halbjährigen Zeitabschnitten, abgeschlossen,
und die Differenz, welche sich bei dem Abschlüsse zwischen den Credit-
und Debetbeträgen herausstellt (Saldo-Bilanz) festgestellt werde.
Das Contocorrentverhältniß hat nun das Eigenthümliche, daß die
sich gegenüberstehenden Credit- und Debetposten nicht als Schuld
und Zahlung, sondern als Forderungen und Gegenforderungen sich
darstellen, so daß die in den einzelnen Perioden bewirkten Zahlungen
oder sonstigen ein Guthaben vermittelnden Leistungen im Zweifel in
der Absicht gemacht werden, im laufenden Geschästsverkehre ein Gut-
haben dergestalt zu begründen, daß während laufender Rechnung
keine Anrechnung der Zahlung oder Compensation auf einzelne Posten
stattfindet, vielmehr die aus dem Contocorrentverhältniffe hervorge-

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