Full text: Volume (Bd. 3 (1864))

460 Auflösung des Dienstverhältnisses zwischen
weitig beschafft. Dieser Fall wird besonders bei zweiseitigen Ver-
trägen überall da eintreten, wo die spätere nachträgliche Leistung dem
Gläubiger oder Schuldner nutzlos ist, und dem Interesse, das sie
an Abschluß und Erfüllung des Vertrages hatten, nicht mehr ent-
spricht.
Diese Gründe waren maßgebend bei Constituirung des Rück-
trittsrechts, welches Art. 354—359 H.-G.-B. dem Käufer und Ver-
käufer gegeben haben. Sie machen sich auch geltend bei allen Verträgen
über Handlungen (faciendi obligationes). Hier wird in der Regel
die Lösung des Vertragsverhältnisses der einzige Weg sein, auf dem
der beschädigte Contrahent zu seinem Schaden kommen, und sich gegen
weitere Beeinträchtigungen schützen kann; und das umsomehr, als
Handlungen durch richterliche Hülfe nicht absolut erzwungen werden
können.
Es liegt diese Auflösung im Interesse des Handlungs-Be-
rechtigten, da gegen den Handlungs-Verpflichteten, der die Leistung
verweigert, oder sonst schuldbarer Weise unmöglich macht, ein abso-
luter Zwang weder ausführbar ist, noch den Intentionen des Berech-
tigten entspricht. Wenn der Verpflichtete seither seine Unfähigkeit
oder seinen bösen Willen durch die That gezeigt hat, so setzt der Be-
rechtigte mit Grund voraus, daß er auch die übrigen Handlungen
nicht contractmäßig werde leisten können oder wollen. Der Berech-
tigte kann zumeist in solchem Falle allein dadurch sich helfen, daß er
sich sofort nach einem anderen Arbeiter umsieht, und durch diesen die
vertragsmäßigen Leistungen, die in der Regel keinen Aufschub er-
leiden, ausführen läßt; wobei ihm der säumige Contrahent natürlich
für allen Schaden verhaftet bleibt.
Umgekehrt entspricht solche Aufhebung auch dem Interesse des
Handlungs-Verpflichteten, wenn der Berechtigte die Annahme
der Leistung verweigert, oder sonst dem Verpflichteten die Erfüllung
unmöglich macht. Es kann in solchem Falle dem letzteren nicht zuge-
muthet werden, daß er erst auf Annahme der Leistung klage, und ohne
Arbeit und Lohn bis zum Ausgange des Processes warte. Sein
Interesse wird nur dadurch vollständig gewahrt, daß er sofort das
Verhältniß mit dem contractbrüchigen Contrahenten löst, seine Arbeit
an einen Anderen vermiethet, und nur den dabei entstehenden Scha-
den gegen den Berechtigten einklagt.

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