Full text: Volume (Bd. 3 (1864))

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Wie weit sind Handwerker zur Anmeldung einer

Fleischer, Tischler, Schuhmacher (Klempner) u. s. w., deren Gewerbe
nicht über den Umfang des Handwerksbetriebes hinausgehen — Art. 10
—, sind überhaupt keine Kaufleute, wenn sie auch beim Ein- und
Verkauf der Materialien den sich darbietenden Gewinn möglichst
mitzunehmen suchen, wenn sieauchihre selb st verfertigten
Maaren imLaden oder auf den Märkten feilhalten."
Ferner macht dieser Schriftsteller S. 475 sehr richtig darauf
aufmerksam, daß man die den Kaufleuten z. B. nach Art. 290. 291.
301. 309. 310. 311 zukommenden besondern Rechte wohl schwerlich
den Handwerkern, wenn sie selbst einen kleinen Handel nebenbei
treiben, würde zukommen lassen.
Und schließlich bemerkt derselbe S. 476 noch: „An vielen Orten
und bei vielen Handwerkern ist es gebräuchlich, daß neben dem eigent-
lichen Handwerke und dem Verkaufe der selbstversertigten Maaren
noch ein wirklich reiner Handel mit fertig eingekauften
Maaren betrieben wird. So handelt der Friseur mit Parfüms,
Seifen und Toilettengegenständen, der Klempner mit Lampen, die er
fertigen läßt, der Uhrmacher mit Uhren aus Schweizerfabriken, der
Buchbinder mit Papier, Siegellack, Federn, Galanteriewaaren u. s. w."
Hierbei muß aber jedenfalls der Umfang des Geschäfts, der
meistens durch den Ort, an welchem dieser Handel betrieben wird,
bedingt wird, ins Auge gefaßt werden. Ein Klempner in F. ist ein
Pygmäe gegen einen Klempner in Leipzig und Dresden. Von jenem
muß daher gelten, was das Handelsgesetzbuch im Art. 10 sagt: „Die
Bestimmung, welche dieses Gesetz über die Firmen enthält, findet auf
dergleichen Handelsleute rc. keine Anwendung," und im Art. 273:
„Die Wiederveräußerungen, welche von Handwerkern vorgenommen
werden, sind, soweit dieselben nur in Ausübung ihres Handwerks-
betriebes geschehen, als Handelsgeschäfte nicht zu betrachten."
Wollte ein Klempner in F. oder sonst einer kleinen Stadt blos
von bestellten Arbeiten, die sich, zumal bei der Concurrenz der ge-
birgischen Blechwaaren, meist nur auf Reparaturen, sogenannte
Flickereien, reduciren, leben, so müßte er verhungern. Die Art seines
Handwerks nöthiget ihn zu Arbeiten für den Laden, wo wir ihn aber
nicht als Kaufmann, sondern immer nur als schlichten Handwerks-
mann sehen. Sein Geschäftslocal ist und bleibt seine Werkstatt,
diese verläßt er nur momentan, wenn es im Laden klingelt, um hier

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