Full text: Volume (Bd. 3 (1864))

Handwerker-Verbindungen.

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Personen schießen Geld zusammen, um ein Börsen-Local zu bauen,
um eine Schule zu errichten u. s. w. Wird das Geld geschenkt, so
ist allerdings eine Stiftung vorhanden. Wenn aber die betreffenden
Personen das Eigenthum des Locals an sich behalten, dasselbe nur
dem gegenwärtigen Zweck widmen unter dem Vorbehalt, daß, wenn
der Zweck wegfällt, sie über ihr Eigenthum wieder frei verfügen kön-
nen, so besteht eine Gemeinschaft, deren Antheile durch die betreffen-
den Scheine beurkundet werden. Es kann auch zur Erreichung des
gemeinnützigen Zwecks eine Organisation nothwendig sein; z. B. wenn
eine Schule errichtet wird, müssen Lehrer angestellt und besoldet,
es muß für Heitzung, Beleuchtung und Reinigung der Schulräume
gesorgt, es muß das Schulgeld zur Zeit erhoben, Rechnung geführt
werden u. s. w. Zu diesem Zwecke werden von der Gesammtheit der
Betheiligten einzelne Personen als Vorstand gewählt, wobei voraus-
gesetzt ist, daß man sich darüber geeinigt hat, wer wählen, wer ge-
wählt werden kann, welche Befugnisse und welche Verpflichtungen die
Gewählten haben, u. s. w. Besteht eine solche Organisation, so
kann das Verhältniß als Verein aufgesaßt werden. Denn die Or-
ganisation für einen bestimmten Zweck bildet das Wesen der Vereine.
Damit hängt ein anderer Unterschied zwischen den Gesellschaften und
Vereinen zusammen. In Jenen handeln die einzelnen Mitglieder
für die Gesellschaft, es wird angenommen, jeder Gesellschafter habe
allen andern Gesellschaftern Vollmacht gegeben; in Vereinen können
die Mitglieder nicht für die Gesammtheit handeln, es sind dafür be-
sondere Organe bestellt.
8 5.
Ein fernerer Unterschied ist der, daß in Vereinen die Mehrheit
entscheidet, während in Gesellschaften Einstimmigkeit erfordert wird.
Dagegen steht in Vereinen jedem Mitglied der Austritt frei, während
der Austritt eines Gesellschafters die Auflösung der Gesellschaft zur
Folge hat. Selbst wenn die übrigen Gesellschafter die Gesellschaft
sortsetzen, sind sie verbunden, dem austretenden Gesellschafter sein
Betreffniß an dem Gesammtvermögen der Gesellschaft herauszuzahlen,
während in Vereinen der Austretende keinen Anspruch an das Ge-
sammtvermögen hat. Eben deshalb sind wir zu der Annahme ge-
zwungen, daß das Gesammtvermögen dem Verein, einem gedachten
Rechtssubject (einer juristischen Person), gehört, und daß dieses

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