Full text: Volume (Bd. 3 (1864))

Handwerker sind nicht Kaufleute.

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Hiernach hat Art. 10 ein weites Feld der Anwendung, ohne daß man
nöthig hat, zu unterstellen, auch derjenige Handwerker, welcher keinen
Handel treibt, aber das zum Betrieb seines Handwerks nothwendige
Rohmaterial einkaust, sei ein Kaufmann. Die Handwerker sind nach
Goldschmidt S. 399 Vollkauflente, wenn sie
1) mit andern als den oben sub a. bezeichnten Waaren und in
einer andern als der 8ub b. bezeichnten Weise Handel treiben,
2) wenn sie zwar mit den sub a bezeichnten Waaren, aber nicht
in der 8ub b angeführten Weise Handel treiben, und zugleich
dieser Handel als ein durchaus gesondertes, selbstständiges Ge-
werbe neben dem Handwerk oder als das Hauptgewerbe, das
Handwerk nur als Nebengewerbe erscheint.
Im Ganzen geht daraus hervor, daß man bestrebt war, Hand-
werker, welche Handel treiben, sofern sie sich dabei auf die gewöhn-
lichen Erzeugnisse ihres Handwerks oder auf damit in Verbindung
stehende Sachen beschränken, oder sofern ihr Handel überhaupt nur
einen geringen Umfang hat, nicht den Kaufleuten in allen Beziehungen
gleich zu stellen. Sie sind Kaufleute mindern Rechts, gleich den
Hökern, Trödlern, Hausirern und andern Handelsleuten von geringem
Gewerbebetrieb. Aber auch im Vergleich zu diesen hat man für
nöthig befunden, nochmals eine Ausnahme zu machen. Nach Art. 273
sind alle einzelnen Geschäfte eines Kaufmanns, auch des Kaufmanns
mindern Rechts, welche zum Betriebe seines Handelsgewerbes ge-
hören, als Handelsgeschäfte anzusehen, insbesondere auch die Weiter-
veräußerung der zu diesem Zweck angeschafften Waaren. Dagegen
werden die Weiterveräußerungen, welche von Handwerkern in Aus-
übung ihres Handwerksbetriebs geschehen, nicht als Handelsgeschäfte
betrachtet, und zwar ohne Unterschied, ob sie die verkauften Gegen-
stände gefertigt oder angeschafft haben. Man ersieht daraus das Be-
streben, das Handwerk vom Handel zu sondern. Damit ist aber
schwer vereinbar, daß alle Handwerker, welche die zu verarbeitenden
Stoffe auschaffen, um dieser Anschaffung willen als Kaufleute gelten
sollen; um so weniger, als sie, wenn sie arbeiten wollen, die An-
schaffung gar nicht vermeiden können, die Anschaffung daher nicht als
Act ver Spekulation, sondern der Nothwendigkeit erscheint. Das Ge-
setzbuch hat uns außerdem einen Fingerzeig gegeben. Der Drucker
gehört zu den Handwerkern, welche das Rohmaterial, nämlich das

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