Full text: Volume (Bd. 3 (1864))

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Handwerker sind nicht Kausieute.

Werksbetriebs hinausgeht. Wie schon Voigtel im ersten Band
dieses Archivs, S. 469 bemerkt, wollte man diese Personen in den
Fällen, in welchen sie wegen eines kleinen Handels, den sie treiben,
unter die Bestimmungen des Handelsgesetzbuchs fallen würden, doch
nicht den Vorschriften über Firmen u. s. w. unterwerfen. Eben des-
halb scheint man auch den kürzern Ausdruck „Handwerker," welcher
zu einer Mißdeutung Anlaß geben konnte, vermieden zu haben: die
Umschreibung soll die Andeutung geben, daß, wenn Handwerker zu-
gleich Sachen feilbieten, seien diese selbstgefertigt oder angeschafft,
und deshalb als Kaufleute betrachtet werden müßten, sie gleichwohl
nicht den Vorschriften des Handelsgesetzbuchs über Firmen u. s. w.
unterworfen sind, so lange ihr Gewerbe nicht über den Um-
fang des Handwerksbetriebes hinausgeht.
Auch v. Hahn I. c. § 13 ist der Meinung, daß Handwerker,
welche Maaren anschaffen, um sie in Natur weiter zu veräußern,
unter die Bestimmung des Art. 10 fallen, wenn
a. diese Maaren derselben Gattung angehören, wie die, auf deren
Anfertigung das betreffende Handwerk gerichtet ist, oder mit
diesem in irgend welcher Verbindung stehen. Selbst eine nur
historisch (oder herkömmlich) zu begründende Verbindung würde
genügen: eine solche sei durch manche Zunftprivilegien geschaffen
und erhalten;
b. es sei aber weiter erforderlich, daß der Schwerpunkt der Thätig-
keit in dem Betrieb des Handwerks liege und daß das Geschäft
mit den fremden Maaren nicht selbstständig organisirt sei.
Goldschmidt sagt in seinem Handbuch §46, 8ab Nr. 4 (S. 398):
„Der Handwerker, welcher neben dem eigentlichen Handwerksbetrieb
fremde Maaren gewerbmäßig feilhält, ist stets Kaufmann." Er
unterscheidet aber die Fälle, in welchen er als Vollkaufmann oder
nur als Kaufmann mindern Rechts (nach Art. 10) auzusehen ist.
Das letztere tritt ein, wenn ,
a. sein Handel mit fremden Maaren in einer innerlichen oder auch
nur herkömmlichen, z. B. durch Zunftprivilegien begründeten
Beziehung zu den Erzeugnissen seines Handwerksbetriebes steht;
oder
b. wenn er den Handel mit fremden Maaren in geringem Umfang
nach Art der Trödler, Höker, Hausirer oder als solcher betreibt.

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