Full text: Volume (Bd. 3 (1864))

und jetzigem Handelsrechte.

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Risico der zum Besten der Committenten bewirkten Versendung über-
nommen haben sollte, vielmehr des Spediteurs Auftrag ausgerichtet
ist, sobald er die Waare dem Fuhrmann übergeben hat, folglich sodann
insoweit vorher kein Versehen von Seiten des Spediteurs vorge-
gangen ist, das Uebrige aber die rechtlichen Wirkungen für den Com-
mittenten hat, als hätte dieser die Waaren dem Fuhrmanne selbst
übergeben — 1. 72 de reg. jur. in 6° — eben so wenig aber 1.1 § D.
nautae caup. (4. 9) auf Spediteurs ausgedehnt werden kann, als
von welchen in diesem Gesetze gar nicht die Rede ist (und sein konnte),
da sie selbst in der Regel das Fuhrwerk nicht treiben, noch hierin
Unternehmer sind, sondern blos die Waare in besonderem Auftrag an
den Fuhrmunn abliefern, so mag eine reformatorische Sentenz (in
erster Instanz war der Spediteur B. von der Klage sreigesprochen)
nicht zu erwarten sein."
Etwas strenger wird sich in nachstehendem, im Wochenblatt
für merkwürdige Rechtsfälle 1841, S. 193 mitgetheilten Falle aus-
gesprochen. Ein Buchhändler in Brüssel hatte im Jahre 1833 einen
Ballen mit Büchern, nach Wilna bestimmt, einem Leipziger Spediteur
geschickt. "'Da unmittelbare Gelegenheit nach Wilna mangelte, wurde
der Ballen nach Warschau verladen, ging aber hier oder auf dem
weiteren Wege verloren. Der Absender verlangte Entschädigung von
dem Spediteur. Das Handelsgericht zu Leipzig erkannte auf Be-
weis, daß der Spediteur allen Fleiß angewendet habe und daß eine
andere Transportgelegenheit nicht zu ermöglichen gewesen sei. Der
damals noch bestehende Schöppenstuhl,reformi-rte und verwarf die
Klage. Die Juristenfacultät als damalige dritte Instanz stellte das
erste Erkenntniß wieder her, modificirte aber das Beweisthema dahin:
entweder daß eine frühere oder directe Gelegenheit nach Wilna vom
Beklagten nicht gefunden worden, oder daß der Ballen richtig in
Warschau angekommen und nach Wilna geschickt worden sei. Das
inzwischen durch die Justiz-Organisation in Sachsen (1835) einge-
tretene Appellationsgericht zu Leipzig bestätigte zwar dieses letztere Er-
kenntniß, änderte aber das Beweisthema ebenfalls, indem nach ihm
Beklagter beweisen sollte: entweder daß der Zwischenspediteur in
Warschau für geeignet zur Besorgung des Auftrages der Weiterspe-
dition anzusehen gewesen sei, oder daß derselbe den Ballen durch gute
Gelegenheit wirklich weiter geschickt habe. Ein zweites, in Verfolg

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