Full text: Volume (Bd. 3 (1864))

Präjudicien und Entscheidungen. (Könige. Preußen.) 381
nicht entsprochen hat. Sollte aber auch nur der Transport von
einem Orte zum andern gemeint sein, so dürfte doch im vorliegenden
Falle zu berücksichtigen sein, daß der ungefähr eine Viertelstunde
von der Stadt entfernte Bahnhof, wenngleich in polizeilicher und
communaler Beziehung zur Stadt gehörig, räumlich betrachtet als
ein anderer Ort angesehen werden muß.
Ob die Leute des Verklagten sich zum Transporte des Gepäckes
eines Fahrzeuges mit Lastthieren oder eines Handkarrens bedienen,
erscheint gleichgiltig, denn durch beide Transportarten wird derselbe
Zweck erreicht. Allerdings ist es richtig, daß ein Theil der speciellen
Vorschriften des H.-G.-B. über das Frachtgeschäft nur auf den
großartigeren Güterverkehr berechnet ist. Daraus folgt
aber nicht, daß auch die allgemeinen Bestimmungen über das Fracht-
geschäft auf den s. g. kleinen Verkehr keine Anwendung finden können.
Gegen eine solche Annahme spricht auch die ratio logi». Vor dem
Erscheinen des H.-G.-B. klagte man vielfach über die mangelhaften
gesetzlichen Bestimmungen, betreffend die Haftung des Frachtführers.
So befand sich z. B. nach der altpreuß. Gesetzgebung der Befrachter
dem Privatfuhrmann gegenüber so zu sagen ganz in Händen des
letzteren. Den ihm obliegenden Beweis eines Versehens auf Seiten
des Fuhrmanns war er der Natur der Sache nach und in den wenig-
sten Fällen zu führen im Stande. Diesem Bedürfnisse hat das
H.-G.-B. abgeholfen, indem es sowohl über die materielle Haftver-
bindlichkeit des Frachtführers, als-auch über die Beweislast nach den
Grundsätzen der gemeinrechtlichen aotio de recepto Bestimmungen
getroffen hat, durch welche der Befrachter in eine günstigere Lage
versetzt worden ist. Fragt man nun, wie weit diese Vorschriften an-
zuwenden sein werden, so kann es wohl keinem Zweifel unterliegen,
daß es für den Befrachter höchst wünschenswerth sein muß, den-
jenigen, welcher den Transport des Frachtgutes durch seine Leute auf
Handkarren vermitteln läßt, in gleicher Weise wie den Schiffer und
den eigentlichen Fuhrmann einer strengeren Haftverbindlichkeit unter-
worfen zu sehen. Eine solche gleichartige Beurtheilung erscheint auch
nur consequent; denn wer den Transport in der bezeichneten Weise
durch seine Dienstleute zu bewirken sich verpflichtet, übernimmt ebenso
wie der Schiffer oder der eigentliche Fuhrmann gegen Entgelt» die cu-
stodia fremder Sachen, weshalb ihn auch die dieselbe Haftverbindlich-

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