Full text: Volume (Bd. 3 (1864))

PrLjudicien und Entscheidungen. (Königr. Preußen.) 377
dern, sprechen ebensosehr für eine solche Untersuchung und Anzeige
darüber, daß die übersendete Waare nicht in dem contractlichen
Quantum vorgefunden worden sei. Denn hier wie dort ist es von
gleicher Wichtigkeit und entspricht gleich sehr der Billigkeit, daß der
Verkäufer, welcher in dem guten Glauben steht, den Vertrag durch
Absendung der Waare gehörig erfüllt zu haben, möglichst bald davon
erfahre, wenn der Käufer dieß nicht anerkennen sollte; nicht nur, da-
mit er endlich in Gewißheit darüber sei, ob das Geschäft nun völlig
abgewickelt, sondern damit er auch in die Lage versetzt werde, recht-
zeitig anderweitige Dispositionen über die etwa beanstandete Waare
zu treffen, sich den oft leicht verloren gehenden Beweis zusichern, daß er
die Waare in gehöriger Qualität resx. Quantität abgesendet habe;
und daß ihm die Möglichkeit erhalten werde, das etwa wirklich feh-
lende Quantum noch von seinem eigenen Lager, beziehungsweise ehe
eine Preissteigerung eintritt, nachzuliefern (Prot. S. 646). Zur
dritten Lesung wurde beantragt, es besonders auszusprechen, daß die
Pflicht zur Untersuchung und Anzeige dem Käufer auch darüber ob-
liege, ob die verabredete oder durch die Factur angegebene Quan-
tität auch richtig geliefert sei. Dieser Antrag ist nicht etwa ver-
worfen, sondern überhaupt nicht zur Berathung gekommen, weil er
nach den die dritte Lesung leitenden Grundsätzen davon ausgeschlossen
war. (Vergl. v. Kräwel, H.-G.-B., Anm. 3 zu Art. 347.) Für
den vorliegenden Fall, wo das stipulirte Quantum nicht auf einmal,
sondern in verschiedenen, der Größe nach in das Belieben des Ver-
käufers gestellten Theillieferungen übersendet wird, könnte um des-
halb ein Bedenken entstehen, weil man hier erst nach Empfang der
letzten Lieferung sagen kann, ob ein Mangel an dem ganzen stipulirten
Quantum hervorgetreten sei oder nicht. Soll hier der B«ckäufer
zur Vermeidung des in Art. 347 bestimmten Nachtheils verbunden
sein, zu untersuchen, ob die übersendete Theillieferung auch das in
der Factura, dem Connossement oder sonst angegebene Quantum
habe, und, wenn nicht, dem Verkäufer sofort davon Anzeige zu machen?
Indessen auch diese Frage muß bejaht werden. Kann hier auch nicht
in eigentlichem Sinne von dem Nichtvorhandensein des vertrags-
mäßigen Quantums gesprochen werden, weil der Vertrag die Größe
der einzelnen Abschlagslieferungen nicht bestimmt hat, so ist doch in
Betracht zu ziehen, daß hier die Angabe des Quantums in der F a c-

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