Full text: Volume (Bd. 3 (1864))

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Zur Lehre von der Spedition nach früherem Rechte

mancherlei Streitfragen über Erfüllung eines Kaufes mit Auswärtigen,
z.B. die von Wengler, S. 55 f., berührten, glücklich coupirt worden.
15. Einer der wichtigsten Acte des Spediteurs ist die Wahl des
Frachtführers, Schiffers, Eisenbahn oder Post, kurz der Gelegen-
heit, durch welche der Transport an den Waaren-Empfänger (Adres-
saten, Destinatär) vermittelt werden soll. Was die beiden letzter»
Gelegenheiten betrifft, so dürfte der Spediteur dabei weniger die Wahl
haben, indem hier die geradeste Linie von der betreffenden Anstatt
selbst angenommen und die geeignete Qualification präsumirt wird.
Mehr Auswahl, aber auch mehr Verpflichtung zur Vorsicht in der
Wahl hat der Spediteur bei der Fahr- und Schisfgelegenheit. Bei
letzterer muß er sich namentlich und vor Allem nach der Seetüchtigkeit
des Fahrzeuges, wie um die Zuverlässigkeit und Tüchtigkeit des Capi-
täns, des Bootsmannes und der Benamung kümmern und nur nach
bestem Wissen und Gewissen die Wahl treffen. Vernachlässigung dieser
Pflicht, z.B. die Wahl eines seeuntüchtigen Fahrzeuges, eines notorisch
unfähigen oder unzuverlässigen Capitäns würde bei eintretenden Un-
glücksfällen den Spediteur haftpflichtig machen. — Ziemlich dasselbe
findet bei der Wahl eines Fuhrmannes statt. Wie auch der Verkehr auf
der Achse seit dem rascheren, zuverlässigeren und wohlfeileren Transport
durch Eisenbahnen, Posten und Dampf-, ja selbst Segelschiffe abgenom-
men hat, so kann derselbe, da die Maschen des Eisenbahnnetzes noch nicht
so ganz eng zusammengezogen und Posten- und Dampfschiffcourse auch
noch manche Lücken lassen, noch nicht ganz vermieden werden. Daß
aber auch hier des Spediteurs Haftverbindlichkeit wesentlich auf der
Wahl des Fuhrmannes beruht, ist nicht allein anerkannter, älterer
Rechtsgrundsatz, sondern auch von dem Handelsgesetzbuch ausdrücklich
ausgesprochen worden, wenn es im 380. Art. heißt: „Der Spediteur
haftet für jeden Schaden, welcher aus Vernachläßigung der Sorgfalt
eines ordentlichen Kaufmannes rc. bei der Wahl der Frachtführer,
Schiffer oder Zwischenspediteure rc. entsteht." Damit ist die alte, von
Wengler S. 86 folg, so gründlich und erschöpfend beleuchtete Rechts-
frage, ob der Spediteur als Mandatar, wenn er nicht ausdrückliche
Erlaubuiß zur Substitution hat, auch für das kleinste Versehen seines
Substituten oder für dergleichen nur insoweit, als ihn eine Schuld
in der Wahl des Frachtführers trifft, hafte? zu Gunsten des letzteren
nicht beantwortet und ein weit milderer Satz ausgestellt worden, als

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