Full text: Volume (Bd. 3 (1864))

31. Handelsgebräuche beim Getreidehandel in Danzig

XXVIII.
Handelsgebräuche beim Getreidehandel in Danzig.
Von Herrn Stadt - und Kreisrichter R. Koch.

Die Aufzeichnung von Handelsgebräuchen für bedeutende Han-
delsplätze ist keineswegs modernen Ursprungs. Je reichlicher bereits
im Mittelalter diese ursprünglichste aller Rechtsquellen floß, desto
einflußreicher bethätigte sich mit Hülse der Aufzeichnung ihre ver-
jüngende Kraft, theils auf Grund reichs-und particulargesetzlicher
Anerkennung, theils in Verbindung mit der Autonomie der Handels-
corporationen an dem bestehenden, hier und da bereits codificirten
Handelsrecht.*) In der Verwischung der Grenzen zwischen Gesetz-
gebung und Gewohnheitsrecht, welche solche schriftliche Fipirung der
Gebräuche überall mit sich brachte, trat die innere Gleichartigkeit
beider Rechtsquellen klar zu Tage. Seit nun in neuerer Zeit um-
fassende Codificationen der großen Masse des Handelsgewohnheits-
rechts den Stempel des Gesetzes ausgeprägt haben, ist das Bedürsniß
der Aufzeichnung der Gewohnheiten, deren rechtliche Geltung sogar
particularrechtlich (wie im preuß. A. L.-R. und im österr. G.-B.) er-
heblich eingeengt ist, zwar vermindert. Die Bildung und die gemein-
rechtlich wenigstens niemals anfgegebene Geltung neuer Gewohn-
heiten aber
(s. d. Hand- und Lehrbücher von Pöhls, Bd. I, § 16;
Thöl,I. §7; Goldschmidt, §35)
lag so sehr in der Natur des Handelsverkehrs, daß Handels - und
*) Am meisten beruht in England, das Handelsrecht auf g e m e i n e r Handels-
gewohnheit — s. Goldschmidt, Handelsrecht, Bd. I, Abth. 1. Erlangen 1864,
S. 77. Dagegen ist die Geltung des particulären Handelsgewohnheitsrechts ein-
geschränkt — s. Gundermann, englisches Privatrecht, Th. 1.1864, S. 84 sg.

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