Full text: Volume (Bd. 3 (1864))

der Art. 354—359 H.-G.-B. — Real-, Verbal-Oblation. 325
Angebot am 15. August habe ihn also nicht mehr in Verzug fetzen
können, da der Vertrag, auf dessen Grund es erfolgt sei, damals schon
durch seinen Rücktritt außer Kraft gesetzt gewesen sei.
2) Beim Vertragsschlusse sei bedungen, daß Klägerin ihm die
10 Mispel auf die Mühle zu schaffen habe. Die streitigen
3 Mispel hätten also auf die Mühle gebracht, und ihm dort in natura
offerirt werden müssen. Da dieß (wie unbestritten) nicht geschehen,
vielmehr das Angebot derselben nur mündlich erfolgt sei: so habe ihn
Klägerin, bei ermangelndem gehörigen Angebot, gar nicht in Verzug
gesetzt. Sie könne schon um deshalb von den Befugnissen des Art.
354, der nur für den Fall einer gehörig begründeten mora accipiendi
disponire, keinen Gebrauch machen. Auch werde behauptet, daß
Klägerin damals gar keinen Roggen von der verkauften Art mehr
besessen und die verauctionirten 3 Mispel erst später angekauft
habe.
Klägerin hat den Hergang bei der Offerte am 15. August zuge-
standen, alle übrigen Behauptungen bestritten, und darüber, daß sie
am 15. August die mündlich offerirten 3 Mispel wirklich besessen,
Beweis angetreten. Nachdem der Beweis und Gegenbeweis über
diesen Besitz erhoben und zu Gunsten der Klägerin ausgefallen war,
hat das Kreisgericht zu Burg am 3. Mai 1864 den Beklagten
nach dem Klagantrage verurtheilt.
I. Der Anspruch der Klägerin ist auf Art. 354 Handelsgesetz-
buchs gegründet. Während der Art. 343 es mit dem Falle zu thun
hat, wo dem Käufer die Maare durch Tradition (Zumessen, Zuwägen,
Zuzählen) bereits übereignet worden, auch der Verkäufer wegen des
Kaufgeldes zufrieden gestellt ist, und nur von seinen Verbindlichkeiten
aus dem fortdauernden Gewahrsam der vom Käufer nicht abgeholten
Maare befreit sein will — so setzt der Art. 354 den Fall voraus, wo
die Maare noch nicht übergeben und bezahlt ist, und der Käufer sich
also rücksichts der Maare in mora accipiendi, rücksichts des Kauf-
geldes in mora solvendi bestndet (Koch, Commentar zu Art. 343.
354 H.-G.-B. — Lutz, Prot., S. 621). Für diesen letzteren Fall
ist auch der Klaganspruch begründet. Der beklagte Käufer war, das
gehörig geschehene Angebot vorausgesetzt (stehe unten zu III), ver-
pflichtet den Roggen sofort in Empfang zu nehmen, und den Kauf-
preis Zug um Zug bei der Uebergabe zu entrichten (Art. 346. 342

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