Full text: Volume (Bd. 3 (1864))

20 Zur Lehre von der Spedition nach früherem Rechte
Schiffer wahren, für den Beweis jenes Zustandes sorgen und dem
Committenten (Absender) ohne Verzug Nachricht geben muß, indem
er im Unterlassungsfälle für den daraus entstandenen Schaden ver-
antwortlich ist. Er kann deshalb den Schaden durch Sachverständige
feststellen lassen, und wenn das Gut dem Verderben ansgesetzt und Ge-
fahr im Verzüge ist, unter Beobachtung der Bestimmungen in Art. 343,
den Verkauf des Gutes bewirken.
6. Ist dem Spediteur eine bestimmte Lieferungszeit aufgegeben,
so muß er prüfen, ob deren Jnnehaltung, von der Zeit der an ihn be-
wirkten Uebergabe an, nach den einschlagenden Entfernungs- und
Transportverhältnissen und sonst bestehenden Einrichtungen (Eisen-
bahnzügen mit ihren Anschlüssen, Posten, Zoll- und Mauthgesetzen)
möglich ist. Uebernimmt er ohne alle Remonstration oder Vorbehalt
die Versendung, dann trifft auch lediglich ihn die Gefahr und mit ihr
die Verantwortung. Jndeß vertritt er darum nicht jede außer seinen
Kräften und ganz außer seiner und jedes verständigen Mannes Be-
rechnung liegende Verspätigung. Einen sehr eclatanten Fall habe ich
im 1. Bande dieses „Archivs", S. 506 folg, mitgetheilt. Ein Dresdner
Spediteur meldete unterm 7. Juni 1862 einem Wiener Spediteur,
er werde ihm 16 Kisten baumwollene Waare, die ihm, dem Dresdner,
zur Beförderung nach Eon stant inopel aufgegeben worden, mit der Be-
stimmung übersenden, daß er, der Wiener, dieselben längstens den
13. Juni nach Triest abgehen zu lassen habe, damit sie mit dem ersten
Steamer am 14. von dort nach Constantinopel gingen und noch vor
Eintritt des neuen Zolltarises in der Türkei einträfen. Von diesen
16 Kisten erhielt der Wiener aber nur 14 rechtzeitig, und förderte sie
eben so ab; die übrigen 2 Kisten sendete der Dresdner später und diese
trafen erst am 12. Vormittags in Wien ein, wo sie im Zollamte nicht
sofort abgefertigt werden, erst am 13. nach Triest und erst am 15. von
da mit dem Lohd-Dampser nach Constantinopel abgehen konnten.
Der Dresdner verlangte nun die von seinem Aufgeber ihm berechnete
Differenz zwischen Eil- und Frachtgut, wurde aber in einem Erkennt-
nis des Dresdner Appellationsgerichts vom 16. Juni 1863 abge-
wiesen, weil man es dem Wiener nicht als Verschuldung anrechnen
könne, wenn er sich nach Empfang des Avis am Vormittage des
12. nicht sofort nach dem Eintreffen der 2 verspäteten Kisten bei der
Eisenbahn oder der Zollbehörde zu Wien erkundiget, vielmehr die dieß-

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