Full text: Volume (Bd. 3 (1864))

Das Retentionsrecht nach den Bestimmungen des allg. deutsch. H.-G.-B. 271
Uebergabe der Güter im Zusammenhang stehe, sei nicht zu
befürchten."
Auch dieser letzte Satz ist nicht recht verständlich. Daß irgend
eine Ordre, welche der Schuldner einmal dem Gläubiger gab, die sich
jedoch auf die Güter, an denen dieser ein Retentionsrecht geltend
machen will, nicht bezog, diesem Retentionsrecht nicht im Wege stehen
kann, ist an sich klar; daß es hingegen gar keinen Unterschied machen
kann, wie lange vor der Uebergabe die Ordre ertheilt worden, scheint
uns ganz ebenso einleuchtend. Aber auch daß die Ordre sich ganz
speciell auf die fraglichen Güter beziehen muß und eine allge-
meine in keiner Beziehung genügend erscheinen soll, kann nicht so
ohne Weiteres zugegeben werden. Nehmen wir z. B. an, ein Fabri-
kant habe große Lieferungen, die bis zu ihrer gänzlichen Abwicklung
sich Monate, vielleicht Jahre hinziehen, nach Amerika übernommen,
und dieserhalb seinen Geschäftsfreund in einem Seehafen beauftragt,
alle von ihm eintreffenden Waaren einer bestimmten Gattung auch
ohne nähere Weisung sofort nach dem Bestimmungsort verladen zu
lassen, so würde es doch gewiß gegen die bona lläss verstoßen, wenn
dieser Geschäftsfreund irgend eine von den Sendungen, die ohne Be-
gleitung einer speciellen Ordre eintraf, wegen eigener Forderung
zurückhalten wollte. Dagegen müßte eine solche Retention dem Ge-
schäftsfreunde gestattet werden, wenn dieselbe Gattung Waaren des
betreffenden Fabrikanten etwa aus dem Wege in seine Hände ge-
langte, weil ein dritter Kunde eine solche Partie Waaren nicht an-
genommen, zur Disposition gestellt und sie deshalb in die Hände
jenes Geschäftsfreundes ausgeliesert hatte, weil es an dem fraglichen
Platze bekannt war, daß derselbe als Agent, Commissionär des Fabri-
kanten oder in welcher Eigenschaft sonst in dergleichen Fällen einzu-
treten beauftragt war oder dieß doch wenigstens zu thun pflegte.
Allerdings hätte der Geschäftsfreund jetzt im Interesse des Fabri-
kanten und als negotiorum gestor handelnd die fraglichen Waaren
ebenfalls nach Amerika können verladen lassen oder Weisung dieser-
halb einholen, aber verbunden war er hierzu nicht, vielmehr stand
es ihm frei, sich an dieselben wegen eigener Forderung zu halten und
konnte es für sein Retentionsrecht kein Hinderniß bilden, wenn der
Fabrikant, nachdem er von der Dispositionsstellung der Waaren
Kenntniß erhalten, seinen Geschäftsfreund etwa nachträglich an-

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