Full text: Volume (Bd. 3 (1864))

16 Zur Lehre von der Spedition nach früherem Rechte
Zeichen — die sogenannten Marken oder Nummern — kenntlich ge-
macht, und in dem Frachtbriefe nach Gattung, Gewicht und Ver-
packung und die nur bemerkten, auf der Waare selbst ange-
brachten, äußeren Zeichen angebracht und der Spediteur über-
nimmt durch Annahme des Frachtbriefes die Verpflichtung, die
darin bezeichneten Maaren an den Empfänger abzugeben. In vor-
liegendem Falle stimmen nun die in Hamburg verladenen und in
Prag angekommenen Maaren sowohl rücksichtlich der Anzahl der
Fässer , der Gattung der Waare und der Marken L. B. vollkommen
überein. Dessenungeachtet behauptet Kläger, daß Beklagter mit der
Ausflucht daß die fraglichen vier Fässer die Nummern 1554 bis mit
1557 anstatt der im Frachtbriefe aufgeführten Nummern 1454 bis
mit 1457 schon bei der Uebernahme in Dresden geführt haben, des-
halb nicht zu hören sei, weil ihm obgelegen habe, auf die äußere Be-
zeichnung sein Augenmerk zu richten. Nun kann man zwar zugeben,
daß ein Spediteur verpflichtet sei, vor Annahme der Waare letztere
mit dem ihm übergebenen Frachtbriefe zu vergleichen und insbesondere
zu ermitteln, ob die Zahl und die Bezeichnung der Collis mit den An-
gaben des Frachtbriefes übereinstimmt. Allein die Vernachlässigung
dieser Pflichten kann für den Spediteur einen anderen Nachtheil nicht
haben, als daß er den für den Absender oder Empfänger entstandenen
Schaden, z. B. wenn die Waare an einen fremden Ort versendet
worden ist u. s. w., ersetze, nicht aber dahin führen, daß der Spediteur
verpflichtet werde, ganz andere Waare zu liefern, als er selbst erhalten
hat. Denn seine Function besteht nur darin, den Transport der
Waare in dem Zustande, wie sie ihm zu diesem Behufe übergeben
worden ist, zu besorgen, und er genügt daher seiner Pflicht, wenn er
die Waare in dem Zustande, wie er sie übernommen, gehörig und zur
richtigen Zeit befördert und überliefert. Keineswegs kann er aber
für Versehen verantwortlich gemacht werden, die dritten Personen,
welche er nicht zu vertreten hat, z. B. dem Absender, wenn letzterer
die Waare unrichtig auf dem Frachtbriefe gezeichnet hat, zur Last
fallen.
Zeitschrift f. Rechtspflege, N. F. 15. Bd., S. 379.
Mit Recht haben daher beide vorige Instanzen angenommen,
daß das von dem Beklagten abgelegte Geständniß, nach welchem er
vier Fässer in Dresden, nach dem der Klage beigefügten Frachtbriefe

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