Full text: Volume (Bd. 3 (1864))

Contocurrent-Verhältnisses anzunehmen?

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des Beklagten bei der condemnatio zu berücksichtigen, uttb den Be-
klagten nur, eo compensato, in reliquum zu verurtheilen, nicht aber
den Kläger abzuweisen (§ 30. 39, J. de action. 4. 6; Gaj. IV,
§ 61—63). Anders bei den Klagen des Bankiers (argentarius),
von denen eg in Gajus IV, § 64. 68 heißt:
§ 64. Alia causa est illius actionis, qua argentarius
experitur: nam is cogitur, cum compensatione
agere, id est, ut compensatio verbis formulae compre-
hendatur. Itaque argentarius ab initio compensatione
facta minus intendit sibi dare oportere; ecce enim si
sestertium X milia debeat Titio, atque si XX debeat Ti-
tius, ita intendit: Si paret, Titium sibi X milia dare
oportere amplius quam ipse Titio debes.
§ 68. Praeterea compensationis quidem ratio in in-
tentione ponitur; quo fit, ut si facta compensatione
plus nummo uno intendat argentarius, causa cadat et
ob id rem perdat.
Der argentarius mußte also gleich bei Anstellung der Klage neben
dem Gebet auch das Credit des Beklagten angeben, und in die in-
tentio der formula, welche das Klagsundament enthielt, mit auf-
nehmen lassen. Er durste nicht eine einzelne Debetpost auö dem Ge-
schäftsverkehr herausgreifen, sondern er mußte die ganze Rechnung
aufmachen (eum compensatione agere), und deren Schlußsaldo
fordern (quod Titius sibi amplius, quam ipse Titio, debet).
Hatte er dieß unterlassen, so wurde er von vorn herein mit der
Klage abgewiesen (causa cadit, et ob id rem perdit), ohne daß der
Beklagte sich weiter auf die Sache einzulassen, und seine Gegenfor-
derungen aufzustellen brauchte.
Das Contoeurrent-Verhältniß (Stehen in laufender Rech-
nung, in dauernder Geschäftsverbindung) erscheint aber
auch außerhalb des Bankier-Geschäfts, da wo zwischen den
Geschäftsfreunden Forderungen und Schulden aus den verschiedensten
Rechtsgeschäften (Kauf, Lieferung, Commissions-, Speditions-Ge-
schäfte) einander gegenüber stehen. Wesentlich bleibt aber immer,
daß diese Geschäftsverbindung ein Einheitliches und Ganzes ist,
welches die Selbstständigkeit der einzelnen Credit- und Debet-Posten
absorbirt — daß nur der in den periodischen Rechnungs-Abschlüssen
erscheinende Schlußsaldo als die alleinige und selbstständige
Forderung desjenigen erscheint, dem danach der Ueberschuß gebührt.

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